In der medizinischen Fachsprache bezeichnet eine Kontraktur den Zustand, bei dem Muskeln, Sehnen, Bänder und Hautgewebe rund um ein Gelenk dauerhaft ihre Elastizität verlieren, sodass das Gelenk seine normale Bewegungsfähigkeit einbüßt und in einem bestimmten Winkel fixiert bleibt. Wenn diese für die Bewegung des Körpers verantwortlichen Weichteile strukturell schrumpfen und sich verkürzen, kann die betroffene Gliedmaße nicht mehr vollständig gestreckt oder gebeugt werden. Diese strukturelle Veränderung unterscheidet sich vollständig von vorübergehenden Muskelverspannungen und bedeutet, dass das Gelenk mechanisch nahezu eingefroren ist. Diese hartnäckige Gewebeversteifung, die sich durch einen dauerhaften Elastizitätsverlust in Armen, Beinen oder Fingern äußert, ist ein anatomisches Problem, das die Bewegungsfreiheit der betroffenen Person unmittelbar einschränkt und eine dringende orthopädische Beurteilung erfordert.
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Wie entsteht und entwickelt sich eine Kontraktur in unserem Körper?
Der wichtigste Faktor für die Erhaltung der Gesundheit unserer Gelenke und Muskeln ist Bewegung. Durch Bewegung wird die natürliche Flüssigkeit im Gelenk ausgeschüttet. Diese Flüssigkeit schmiert das Gewebe, versorgt den Knorpel und sorgt dafür, dass alle Strukturen reibungslos aufeinander gleiten. Wenn ein Gelenk aufgrund einer Verletzung, eines Bruchs oder einer langwierigen Erkrankung über Wochen nicht benutzt wird, kommt dieses hervorragende System plötzlich zum Stillstand.
Was auf zellulärer Ebene geschieht, ist tatsächlich äußerst interessant. Wenn die Bewegung ausbleibt, nimmt die natürliche Gleitflüssigkeit ab. Die Gelenkkapsel, Sehnen und Bänder rund um das Gelenk beginnen gewissermaßen auszutrocknen. Diese Gewebe enthalten feine Fasern, die ihnen Elastizität verleihen. Normalerweise gleiten diese Fasern problemlos übereinander. Durch die Inaktivität beginnen sie jedoch miteinander zu verkleben. Zwischen den Geweben entstehen mikroskopisch kleine Verwachsungen. Man kann sich dies wie ein elastisches Gummiband vorstellen, das in der Sonne austrocknet und beim Dehnen hart und unnachgiebig wird. Genau dies geschieht mit Muskeln und Bändern.
Ab einem bestimmten Punkt gerät dieser Prozess in einen Teufelskreis. Je mehr das Gewebe seine Elastizität verliert und sich verkürzt, desto weniger bewegt die betroffene Person das Gelenk aufgrund der Schmerzen. Je weniger es bewegt wird, desto stärker verkürzen sich die Gewebe. Schließlich werden die weichen und elastischen Strukturen durch hartes, verdicktes und unelastisches, narbenähnliches Gewebe ersetzt. Wenn in diesem Stadium keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden, bleibt das Gelenk in seiner aktuellen Position fixiert und es entstehen dauerhafte Fehlstellungen, die die Körperhaltung beeinträchtigen.
Welche Ursachen hat eine Kontraktur und in welche Formen wird sie eingeteilt?
Um festzustellen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, wird bei der Untersuchung überprüft, wie weit sich das Gelenk von außen mit der Hand bewegen lässt. Anhand dieser Beurteilung wird die Situation grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt: elastische und starre Kontrakturen. Bei elastischen Formen lässt sich das Gelenk bei äußerer Krafteinwirkung noch etwas dehnen. Dies ist ein hoffnungsvolles Frühstadium, in dem die Gewebe noch nicht vollständig verhärtet sind. Bei starren Formen sind die inneren Gewebe dagegen so stark geschrumpft, dass sich das Gelenk unabhängig von der ausgeübten Kraft keinen Millimeter bewegt.
Die zugrunde liegenden Probleme, die zu diesen Blockierungen und Elastizitätsverlusten führen, sind sehr vielfältig. Zu den wichtigsten auslösenden Faktoren gehören:
- Traumata
- Knochenbrüche
- Luxationen
- Verbrennungen
- Bewegungsmangel
- Entzündungen
- Infektionen
- Tumoren
- Spastik
- Lähmungen
Bei genauerer Betrachtung lässt sich sagen, dass mechanische Ursachen an erster Stelle stehen. Ein gebrochener Arm, der sehr lange im Gips bleibt, oder schwere Verbrennungen, die unter Schrumpfung der Haut abheilen, können das Gelenk mechanisch blockieren. Der zweite wichtige Faktor betrifft das Nervensystem. Bei Erkrankungen wie Hirnblutungen, Rückenmarkslähmung oder Zerebralparese sendet das Gehirn den Muskeln ständig den Befehl, sich zusammenzuziehen. Muskeln, die sich niemals entspannen können, verkürzen sich im Laufe der Zeit strukturell. Der dritte Faktor sind schwere Entzündungen im Gelenk. Um den durch die Entzündung verursachten Schmerz nicht zu spüren, versetzt der Körper die Muskeln in diesem Bereich in einen schützenden Krampfzustand, wodurch das unbewegte Gelenk rasch versteift.
Wie wird eine Kontraktur diagnostiziert und der Bewegungsumfang eines Gelenks gemessen?
Es ist nicht möglich, allein durch Beobachtung festzustellen, wie stark ein Gelenk blockiert ist. Dafür ist eine präzise Messung erforderlich. Zu diesem Zweck wird ein spezielles Instrument namens Goniometer verwendet. Dieses ähnelt zwei Linealen, die in der Mitte miteinander verbunden sind. Während der Messung ist es sehr wichtig, dass sich der Patient in einer vollständig entspannten Position befindet. Der Körper ist nämlich sehr anpassungsfähig. Wenn sich ein Gelenk nicht beugen lässt, versucht die Person unbewusst, die Bewegung durch eine Neigung der Taille oder Schulter vorzutäuschen.
Bei der Messung wird der Mittelpunkt des Instruments genau auf das Drehzentrum des Gelenks gesetzt. Einer der Arme des Geräts wird auf der unbeweglichen Gliedmaße platziert, der andere auf der Gliedmaße, die bewegt werden soll. Der Patient wird gebeten, das Gelenk so weit wie möglich zu beugen und anschließend so weit wie möglich zu strecken. Ein Vergleich mit der gesunden Seite ist stets die beste Methode, um die normale individuelle Beweglichkeit zu bestimmen.
Manchmal kann ein Gelenk weder vollständig gebeugt noch vollständig gestreckt werden. In solchen Fällen wird eine einfache mathematische Berechnung durchgeführt, um den tatsächlich nutzbaren Bewegungswinkel zu bestimmen. Von der maximal erreichbaren Beugung wird der Winkel abgezogen, der aufgrund der Blockierung nicht gestreckt werden kann. So wird der reale Bewegungsumfang ermittelt. Wenn sich beispielsweise ein Ellenbogen normalerweise vollständig beugen sollte, aber nur bis zu einem bestimmten Winkel gebeugt werden kann und bei der Streckung leicht gebeugt bleibt, entspricht die Differenz zwischen diesen beiden Werten dem Bewegungsbereich, den die Person im Alltag tatsächlich nutzen kann.
Im Diagnoseprozess reicht es nicht aus, nur den Winkel zu messen. Um die Ursache des Problems zu erkennen, ist eine Röntgenaufnahme erforderlich. Mithilfe des Röntgens lässt sich eindeutig feststellen, ob die Einschränkung ausschließlich durch Weichteile verursacht wird oder ob die Knochen miteinander verwachsen sind. Bei Bedarf können zusätzlich EMG-Untersuchungen durchgeführt werden, bei denen kleine elektrische Signale an die Muskeln abgegeben werden, um den Zustand der Nerven zu überprüfen.
Was ist eine Dupuytren-Kontraktur in der Handfläche und wie erkennt man sie?
Einige Kontrakturen treten in sehr spezifischen Körperregionen und in charakteristischen Formen auf. Eine der bekanntesten ist die Dupuytren-Erkrankung der Hände. In unserer Handfläche befindet sich unmittelbar unter der Haut eine schützende Gewebeschicht, die die Haut fest mit den Knochen verbindet. Bei dieser Erkrankung verdickt und verhärtet sich diese Schutzschicht im Laufe der Zeit und verliert ihre normale Struktur.
Alles beginnt meist mit kleinen, harten, schwielenähnlichen, aber schmerzlosen Knoten in der Handfläche. Anfangs führen viele Menschen diese Veränderungen auf ihre berufliche Tätigkeit oder die Benutzung von Werkzeugen zurück. Im Laufe der Jahre verbinden sich diese kleinen Knoten jedoch miteinander und entwickeln sich unter der Haut zu dicken, harten Strängen. Diese Stränge wirken wie gespannte Stahlseile unter der Haut. Nach und nach ziehen sie die Finger, insbesondere den Ring- und den kleinen Finger, in Richtung Handfläche.
Nach einiger Zeit bleiben die Finger vollständig gebeugt und können nicht mehr nach hinten gestreckt werden. Von außen kann dies lediglich wie eine Fehlstellung erscheinen, die Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Person sind jedoch enorm. Für jemanden, der seine Finger nicht öffnen kann, werden selbst einfache Tätigkeiten wie das Herausnehmen eines Schlüssels aus der Tasche, das Waschen des Gesichts, das Anziehen von Handschuhen, die Benutzung eines Computers oder sogar das Händeschütteln mit einer neu kennengelernten Person zu einer großen Herausforderung.
Welche Risikofaktoren begünstigen die Entwicklung einer Dupuytren-Kontraktur?
Obwohl die genaue Ursache dieser Erkrankung bislang nicht vollständig geklärt ist, ist bekannt, dass eine sehr starke genetische Veranlagung besteht. Personen, in deren Familie die Erkrankung vorkommt, haben im höheren Lebensalter ein deutlich erhöhtes Risiko, dasselbe Problem zu entwickeln. Neben der genetischen Veranlagung gibt es jedoch einige eindeutige Faktoren, die das Auftreten der Erkrankung auslösen und ihr Fortschreiten erheblich beschleunigen können.
Zu den Risikofaktoren gehören:
- Alter
- Genetische Veranlagung
- Rauchen
- Alkoholkonsum
- Diabetes
- Epilepsie
Unter diesen Faktoren ist insbesondere das Rauchen bemerkenswert. Es zeigt sich, dass Rauchen, das die Struktur kleiner Blutgefäße im Körper schädigt, auch den Verhärtungsprozess in der Hand verstärken kann. Da Diabetes ebenfalls die Struktur des Bindegewebes im Körper verändert, bilden sich bei diesen Patienten deutlich leichter harte Stränge in den Handflächen. Manchmal treten ähnliche Verhärtungen auch an den Fußsohlen oder in anderen Bindegeweben des Körpers auf. Dies zeigt, dass das Problem nicht nur lokal begrenzt ist, sondern auf einer zellulären Veranlagung des gesamten Bindegewebes beruht.
Welche Behandlungen werden bei einer Dupuytren-Kontraktur angewendet?
Das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die Behandlung dieser Erkrankung in der Handfläche ist, wie gut die betroffene Person ihre Hand noch benutzen kann. Wenn lediglich kleine Knoten vorhanden sind und sich die Finger problemlos strecken lassen, wird nicht sofort eingegriffen. In diesem Stadium wird versucht, die Hand durch Wärmeanwendungen, spezielle Dehnübungen und Paraffinbäder geschmeidig zu halten. Wenn sich die Finger jedoch in Richtung Handfläche beugen und alltägliche Tätigkeiten beeinträchtigen, ist eine Behandlung erforderlich.
Zu den wichtigsten nichtoperativen Methoden gehören Nadelverfahren zur Lösung der Verhärtung. Nach einer örtlichen Betäubung der Hand wird das dicke, gespannte und seilartige Gewebe unter der Haut mit speziellen Nadeln schrittweise durchtrennt. Sobald das Gewebe geschwächt ist, wird der Finger gestreckt und geöffnet. Diese Methode ermöglicht es dem Patienten, bereits am nächsten Tag in den Alltag zurückzukehren. Leider ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens der Erkrankung im Laufe der Jahre jedoch relativ hoch.
Eine weitere moderne Methode besteht darin, ein spezielles Enzym direkt in das Zentrum des verhärteten Gewebes zu injizieren. Die injizierte Flüssigkeit löst und schwächt die harten Fasern innerhalb von vierundzwanzig Stunden auf chemischem Wege. Wenn der Arzt den Finger am folgenden Tag vorsichtig streckt, reißt der geschwächte Strang und der Finger wird freigegeben. Besonders bei Beugestellungen an den Fingergrundgelenken erzielt diese Methode sehr erfolgreiche Ergebnisse.
Ist die Bewegungseinschränkung jedoch weit fortgeschritten und sind selbst die Mittelgelenke der Finger gebeugt, stellt eine Operation die dauerhafteste Lösung dar. Dabei wird das verhärtete, verdickte und erkrankte Gewebe mit großer Präzision vollständig entfernt. Die Handfläche gleicht einem engen Labyrinth voller Nerven und Blutgefäße, weshalb äußerst sorgfältig gearbeitet werden muss. In sehr schwierigen Fällen, in denen die Erkrankung besonders aggressiv verläuft und wiederholt auftritt, wird das erkrankte Gewebe zusammen mit der darüberliegenden Haut entfernt. Anschließend wird ein Hauttransplantat aus einer anderen Körperregion auf die betroffene Stelle aufgenäht.
Zu den möglichen Operationsrisiken gehören:
- Taubheitsgefühl
- Infektion
- Blutung
- Wiederauftreten
Was ist eine Volkmann-ischämische Kontraktur nach Knochenbrüchen?
Eine weitere und möglicherweise dramatischste Form der Kontraktur ist die Volkmann-ischämische Kontraktur, die meist nach Ellenbogen- oder Unterarmfrakturen im Kindesalter auftritt. Die Muskeln in unseren Armen liegen gruppenweise innerhalb dicker und vollkommen unnachgiebiger Hüllen. Wenn ein Knochen bricht, entstehen im Inneren starke Blutungen und Schwellungen.
Genau hier beginnt das Problem. In diesem mit Blut gefüllten Bereich, dessen äußere Hülle sich nicht ausdehnen kann, steigt der Druck enorm an. Der Druck wird schließlich so hoch, dass die Blutgefäße, die frisches Blut zu den Muskeln transportieren, zusammengedrückt und verschlossen werden. Die Muskeln, die keinen Sauerstoff mehr erhalten, beginnen innerhalb weniger Stunden abzusterben. In der Medizin wird dieser Zustand als Kompartmentsyndrom bezeichnet. Wenn die Hülle nicht sofort chirurgisch geöffnet und der Druck im Inneren entlastet wird, verlieren die Muskeln vollständig ihre Lebensfähigkeit.
Das Tragischste an diesem Krankheitsbild ist, dass die Ursache bei vielen Frakturen nicht der Knochenbruch selbst ist, sondern darin liegt, dass die Patienten anstelle einer modernen medizinischen Versorgung zu unqualifizierten Personen gebracht werden, die umgangssprachlich als traditionelle Knochenheiler bezeichnet werden. Diese Personen wickeln den Arm zur Stabilisierung des Knochens mit Holzschienen und Tüchern so fest ein, dass zusätzlich zum inneren Druck eine extreme äußere Kompression entsteht. Dadurch kommt der Blutfluss vollständig zum Erliegen.
Die abgestorbenen Muskeln werden vom Körper durch hartes, kurzes und unelastisches Narbengewebe ersetzt. Da die Muskeln ihre Länge verlieren, bleibt der Ellenbogen gebeugt, das Handgelenk hängt nach unten und die Finger krümmen sich rückwärts wie die Krallen eines Vogels und bleiben in dieser Stellung fixiert. Dieses Erscheinungsbild ist der deutlichste Beweis dafür, wie schwerwiegend die Folgen verspäteter oder falscher Behandlungen sein können.
Wie wird eine Volkmann-ischämische Kontraktur behandelt?
Bei der Behandlung dieses Zustands zählt jede Minute. Sobald nach einem Knochenbruch eine ungewöhnliche Schwellung des Arms, unerträgliche Schmerzen oder eine bläuliche Verfärbung der Finger festgestellt werden, sind selbst Stunden oder Minuten äußerst wertvoll. Der Eingriff in den ersten Stunden ist eigentlich sehr einfach. Im Operationssaal wird die straffe Hülle entlang des Arms vollständig eröffnet. Die komprimierten Gewebe können sich ausdehnen, die Durchblutung kehrt sofort zurück und die Muskeln werden gerettet. Gleichzeitig werden die gebrochenen Knochen korrekt ausgerichtet und mit dünnen Drähten fixiert, damit sie die Gefäße nicht von innen zusammendrücken.
Wenn sich bereits abgestorbene Gewebe gebildet haben, werden diese sorgfältig entfernt. Jedes abgestorbene Gewebestück, das im Körper verbleibt, kann später eine noch stärkere Schrumpfung verursachen. Leider kommen einige Patienten jedoch zu spät. Die Muskeln sind dann vollständig abgestorben, die Hand hat eine Krallenstellung angenommen und die Kontraktur ist dauerhaft geworden.
In solchen verspäteten Fällen treten an die Stelle des ersten einfachen Eingriffs sehr lange und komplexe Operationen. Die wenigen noch funktionsfähigen Muskeln im Arm werden umgeleitet und auf nicht mehr arbeitende Bereiche übertragen. In besonders schweren Fällen wird ein gesunder Muskel aus einer anderen Körperregion, beispielsweise aus dem Bein, entnommen und unter dem Mikroskop zusammen mit seinen Blutgefäßen und Nerven in den Arm transplantiert. Ziel dieser aufwendigen Operationen ist es, dem Patienten zumindest ein grundlegendes Öffnen und Schließen der Finger zu ermöglichen.
Wie wird eine Kniekontraktur bei Zerebralparese korrigiert?
Eine weitere Form der Gelenkblockierung, die durch einen anderen Mechanismus entsteht, das Leben aber ebenso stark erschwert, sind Kniekontrakturen bei Kindern mit Zerebralparese. Zerebralparese ist eine Störung der Muskelkontrolle infolge einer Schädigung während der Gehirnentwicklung. Bei diesen Kindern sendet das Gehirn insbesondere an die Muskeln auf der Rückseite der Beine kontinuierlich Signale zur Anspannung.
Die dauerhaft angespannten hinteren Beinmuskeln ziehen das Knie wie eine zu kurz gehaltene Leine ständig nach hinten in eine gebeugte Stellung. Das Kind möchte aufrecht stehen, doch die Muskeln lassen dies nicht zu. Infolgedessen bleiben die Knie ständig gebeugt. Der Versuch, in dieser Haltung zu gehen, ist äußerst anstrengend. Das Kind muss dauerhaft in einer halb hockenden Position laufen, wodurch bei jedem Schritt ein Vielfaches der Energie verbraucht wird, die eine gesunde Person benötigt.
Früher wurden bei diesen Kindern die gebeugten Gelenke zu unterschiedlichen Zeitpunkten einzeln operiert. Das bedeutete, dass das Kind einen großen Teil seiner Kindheit in Gipsverbänden und Krankenhäusern verbringen musste. Heute wird jedoch ein wesentlich modernerer Ansatz verfolgt. Sämtliche Blockierungen in den Leisten, Knien und Sprunggelenken, die das Gehen erschweren, werden in einer einzigen großen Operationssitzung gleichzeitig korrigiert.
Beim Eingriff am Knie werden die dauerhaft angespannten und verkürzten hinteren Muskeln vorsichtig verlängert. Dies erfordert jedoch eine äußerst präzise Abstimmung. Werden die Muskeln zu stark verlängert, geht die Kraft verloren, die das Bein von hinten stabilisiert. Das Kind kann das Knie dann nicht mehr richtig beugen und läuft nahezu roboterartig. Deshalb muss diese Verlängerung millimetergenau berechnet werden. Manchmal liegt das Problem nicht nur in den Muskeln, sondern auch darin, dass der Oberschenkelknochen nach innen verdreht ist. In solchen Fällen werden neben der Muskelverlängerung auch der Knochen durchtrennt und seine Stellung korrigiert, sodass das Bein seinen natürlichen Winkel vollständig wiedererlangt.
Warum ist Physiotherapie nach Kontrakturoperationen so wichtig?
Unabhängig davon, wie perfekt eine Blockierung oder Verkürzung auf dem Operationstisch gelöst wird, beginnt der schwierigste Teil der Behandlung erst nach der Operation. Körpergewebe, das über lange Zeit verkürzt und verhärtet war, besitzt ein erstaunliches zelluläres Gedächtnis. Selbst wenn es operativ korrigiert und verlängert wird, versucht es bei der ersten Gelegenheit, in seinen früheren verkürzten Zustand zurückzukehren. Deshalb macht der chirurgische Eingriff nur die Hälfte der Behandlung aus.
Nach der Operation muss mit der Bewegung begonnen werden, während sich die Hand oder das Bein noch in der Heilungsphase befindet. Ein Patient, bei dem die harten Stränge in der Handfläche entfernt wurden, muss beispielsweise bereits am folgenden Tag unter Anleitung eines Physiotherapeuten die Finger bewegen. Um zu verhindern, dass die Wunden während der Heilung erneut schrumpfen, werden spezielle Narbenmassagen durchgeführt. Diese Massagen sorgen dafür, dass das Narbengewebe elastisch bleibt.
Die Phasen der Physiotherapie sind:
- Kontrolle der Schwellung
- Wundpflege
- Verwendung von Schienen
- Dehnübungen
- Massageanwendungen
Die tagsüber durchgeführten Übungen allein reichen nicht aus. Da sich die Muskeln während des Schlafs entspannen, neigen Hand oder Bein dazu, erneut in die frühere blockierte Position zurückzukehren. Um dies zu verhindern, werden individuell angefertigte Schienen aus festem Kunststoff verwendet. Der Patient trägt diese Schiene nachts, damit das Gelenk bis zum Morgen vollständig gestreckt und offen bleibt. Dieser nächtliche Schutz wird meist über mehrere Monate fortgeführt.
Bei sehr schweren Blockierungen, bei denen frühere Infektionen bestanden haben oder die Haut so stark geschädigt ist, dass sie sich nicht mehr dehnen kann, wird ein völlig anderes Verfahren angewendet. Am Bein oder Arm wird von außen ein spezieller Apparat mit Metallringen und Drähten befestigt. Mithilfe dieses Apparats wird das blockierte Gelenk jeden Tag äußerst langsam, etwa um ein Zehntelmillimeter, geöffnet. Durch diese sehr langsame Dehnung reißen die Gewebe nicht, sondern lernen nach und nach, sich zu verlängern. Der Patient kann mit diesem Gerät gehen und seinen täglichen Tätigkeiten nachkommen. Nach der Entfernung des Apparats ist das Gelenk vollständig gestreckt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Kontraktur und was bedeutet sie in der medizinischen Fachsprache?
Welche Ursachen führen am häufigsten zu einer Kontraktur?
Durch welche Symptome macht sich eine Kontraktur bemerkbar?
Wie wird eine Kontraktur diagnostiziert und welche Untersuchungen werden durchgeführt?
Kann eine Kontraktur ohne Operation behandelt werden?
In welchen Fällen kann bei einer Kontraktur eine operative Behandlung erforderlich sein?
Warum ist Physiotherapie bei einer Kontraktur besonders wichtig?
Welche Komplikationen können entstehen, wenn eine Kontraktur nicht behandelt wird?
Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um die Entstehung einer Kontraktur zu verhindern?
Wann sollte bei Anzeichen einer Kontraktur ein Orthopäde aufgesucht werden?

Prof. Dr. Murat Demirel, 1974 yılında Ankara’da doğmuş, 1998 yılında Ankara Üniversitesi Tıp Fakültesi’nden mezun olmuştur. Aynı yıl Ankara Numune Eğitim ve Araştırma Hastanesi 1. Ortopedi ve Travmatoloji Kliniği’nde uzmanlık eğitimine başlamış ve 2004 yılında Ortopedi ve Travmatoloji Uzmanı unvanını almıştır. Uzmanlık sonrası dönemde kas-iskelet sistemi hastalıklarının cerrahi ve konservatif tedavilerine odaklanmış, yenilikçi ortopedik yaklaşımları klinik pratiğine entegre etmiştir.
Omuz, diz, kalça ve ayak bileği eklemlerine yönelik ileri düzey cerrahi uygulamalarda uzmanlaşan Prof. Dr. Demirel; omuz artroskopisi, diz protezi, robotik cerrahi, kök hücre tedavisi ve PRP uygulamaları konularında deneyim sahibidir. Güncel ortopedi pratiğinde fonksiyonel sonuçları artıran minimal invaziv ve biyolojik tedavi yöntemlerini önceliklendirmektedir.
Halen Ankara’daki özel kliniğinde ortopedi ve travmatoloji alanında hasta kabul eden Prof. Dr. Murat Demirel, ileri görüntüleme teknolojileri ve multidisipliner yaklaşımla kişiye özel tedavi planları oluşturmaktadır. Cerrahi ve rejeneratif ortopediyi birleştiren vizyoner yaklaşımıyla, hareket sistemi hastalıklarının tedavisinde yaşam kalitesini merkeze alan modern çözümler sunmaktadır.

