Eine ausbleibende Knochenheilung liegt vor, wenn die erwartete Heilung an der Frakturlinie innerhalb eines bestimmten Zeitraums nicht eintritt. Dieser Zustand äußert sich durch Schmerzen, Funktionsverlust und Bewegungsempfindlichkeit. Die Diagnose wird durch die klinische Beurteilung und radiologische Befunde bestätigt.

Zu den Symptomen einer ausbleibenden Knochenheilung gehören anhaltende Schmerzen, eine ungewöhnliche Beweglichkeit im Bereich der Fraktur und Schwierigkeiten bei der Belastung. Diese Befunde weisen darauf hin, dass der Heilungsprozess zum Stillstand gekommen ist und weitere Untersuchungen erforderlich sind.

Die Ursachen einer ausbleibenden Knochenheilung stehen mit Faktoren wie unzureichender Durchblutung, Infektionen, ungeeigneter Fixierung und Stoffwechselerkrankungen in Zusammenhang. Diese Faktoren verringern die Heilungsfähigkeit des Knochens und führen zu einer Unterbrechung des Heilungsprozesses.

Die Behandlung einer ausbleibenden Knochenheilung umfasst Ansätze wie chirurgische Stabilisierung, den Einsatz biologischer Heilungsförderer und die Kontrolle von Infektionen. Geeignete Fixierungstechniken und Knochentransplantate ermöglichen es, den Heilungsprozess an der Frakturlinie erneut einzuleiten.

Was Sie wissen sollten Information
Definition Eine ausbleibende Knochenheilung (Nonunion) liegt vor, wenn ein gebrochener Knochen nicht innerhalb der normalen Zeit und nicht in der erwarteten Weise heilt. Sie wird in der Regel dadurch definiert, dass innerhalb von 6 bis 9 Monaten an der Frakturlinie keinerlei Heilungszeichen erkennbar sind.
Arten – Atrophe Nonunion: Die Durchblutung ist unzureichend, die Knochenenden sind nicht vital- Hypertrophe Nonunion: Die Durchblutung ist ausreichend, aber die mechanische Stabilität unzureichend- Infizierte Nonunion: Sie entwickelt sich gemeinsam mit einer Infektion im Frakturbereich
Ursachen – Unzureichende Fixierung (bewegliche Frakturenden)- Infektion- Rauchen- Mangelernährung- Diabetes, Osteoporose- Zu frühe Belastung- Gefäßschädigung nach einem Trauma
Symptome – Lang anhaltende Schmerzen im Frakturbereich- Bei Bewegung zunehmende Empfindlichkeit- Unfähigkeit, ohne Unterstützung zu belasten- Ungewöhnliche Beweglichkeit im Frakturbereich (Pseudarthrose)
Diagnoseverfahren – Verlaufskontrolle der Frakturlinie mit Röntgenaufnahmen- CT zur detaillierten Beurteilung der Knochenstruktur- Bei Infektionsverdacht Blutuntersuchungen und Kulturen- Bei Bedarf MRT zur Beurteilung von Weichteilen und Infektion
Vorbeugende Maßnahmen – Ausreichende Fixierung nach der Fraktur (Platte, Schraube, Nagel usw.)- Gute Ernährung und Verzicht auf Rauchen- Bei Bedarf Vitamin-D- und Kalziumunterstützung- Regelmäßige orthopädische Kontrollen
Behandlung – Nicht chirurgisch – Elektromagnetische Stimulation (Knochenstimulationsgeräte)- Stoßwellentherapie (ESWT)- Biologische Unterstützung des Knochens (Knochenmarkinjektion usw.)
Behandlung – Chirurgisch – Revisionsoperation: Austausch des bestehenden Fixierungssystems- Knochentransplantation: Autograft (körpereigener Knochen) oder Allograft (Spenderknochen)- Bei Infektion Débridement und Antibiotikatherapie
Verlauf nach der Operation – Immobilisierung und kontrollierte Belastung- Radiologische Verlaufskontrolle der Knochenheilung- Erhalt der Muskelkraft und des Bewegungsumfangs durch Physiotherapie
Komplikationen – Dauerhafte ausbleibende Heilung- Knochendeformität- Chronische Schmerzen- Erneuter Operationsbedarf- Erhöhtes Infektionsrisiko
Heilungsdauer – Abhängig vom Eingriff und vom allgemeinen Zustand des Patienten- Die Knochenheilung nach einer Operation kann 3 bis 9 Monate dauern
Prognose Mit einer geeigneten Operationstechnik und biologischer Unterstützung kann in den meisten Fällen eine erfolgreiche Knochenheilung erreicht werden. Die Kontrolle der Risikofaktoren erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit.

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Was ist eine ausbleibende Knochenheilung?

Eine ausbleibende Knochenheilung liegt vor, wenn ein gebrochener Knochen nicht innerhalb der erwarteten Zeit oder überhaupt nicht heilt. In der Medizin wird dieser Zustand auch als „Pseudarthrose“ bezeichnet. Faktoren wie eine unzureichende Stabilisierung, Infektionen, schlechte Ernährung oder Rauchen können dazu führen. In der Regel wird durch chirurgische Eingriffe und unterstützende Behandlungen nach einer Lösung gesucht. Ohne Behandlung können dauerhafte Schmerzen und Funktionsverluste entstehen.

Was ist der Unterschied zwischen einer ausbleibenden Knochenheilung (Nonunion) und einer verzögerten Knochenheilung?

Wenn meine Patienten die Tür der Ambulanz betreten, fragen sie am häufigsten und möglicherweise mit der größten Sorge, ob der Prozess lediglich langsam verläuft oder vollständig zum Stillstand gekommen ist. Diese Unterscheidung ist der grundlegendste Faktor für unsere Behandlungsplanung und von entscheidender Bedeutung. In medizinischen Lehrbüchern und bei einigen offiziellen Institutionen, beispielsweise nach den Standards der US-amerikanischen Food and Drug Administration, findet man häufig folgende strenge Definition: Wenn eine Fraktur neun Monate lang nicht heilt und auf den in den letzten drei Monaten angefertigten Röntgenaufnahmen keinerlei Fortschritt erkennbar ist, wird dies offiziell als „Nonunion“ bezeichnet. In der praktischen Medizin, also bei Ihrer tatsächlichen Untersuchung, halten wir Ärzte uns jedoch meist nicht so strikt an solche Regeln und langen Zeiträume.

Die biologische Uhr jedes Menschen, die Durchblutungsstruktur jedes Knochens und die Eigenschaften jeder Fraktur unterscheiden sich vollständig voneinander. Deshalb verfolgen wir in der modernen Medizin einen flexibleren und realistischeren Ansatz, den wir als „pragmatisch“ bezeichnen. Wenn ich als Chirurg zu der Einschätzung komme, dass die Fraktur ihr Potenzial zur spontanen Heilung ausgeschöpft hat und ihre biologische Kapazität erschöpft ist, kann ich eine Behandlung einleiten, ohne neun Monate abzuwarten. Denn Abwarten führt in manchen Fällen lediglich dazu, dass sich der bestehende Zustand weiter verschlechtert.

Bei einer „verzögerten Knochenheilung“ verläuft der Prozess langsamer als erwartet, setzt sich jedoch im Hintergrund weiterhin fort. Hier besteht noch Hoffnung; der Körper arbeitet, benötigt jedoch zusätzliche Unterstützung. Möglicherweise kann der Prozess durch nichtoperative Methoden oder einfache Nahrungsergänzungen beschleunigt werden. Wenn wir jedoch die Diagnose einer „Nonunion“ stellen, bedeutet dies, dass die Frakturlinie biologisch oder mechanisch versagt hat. Ohne einen von außen kommenden, gezielten und intensiven Eingriff ist eine knöcherne Vereinigung dann nicht mehr möglich. Unsere Behandlungsstrategie besteht daher nicht mehr allein darin, Zeit zu geben, sondern entwickelt sich hin zu chirurgischen oder fortgeschrittenen biologischen Methoden, die das Problem grundsätzlich lösen sollen.

Was benötigt der Körper, damit eine Fraktur heilen kann?

Um die Knochenheilung zu verstehen, ist es sehr hilfreich, den im Körper ablaufenden Prozess mit dem Bau eines Gebäudes zu vergleichen. Damit dieser Bau stabil abgeschlossen werden kann und das Gebäude sicher steht, müssen drei grundlegende Säulen vollständig vorhanden sein. Wenn auch nur eine dieser Säulen schwach ist oder zusammenbricht, kommt der gesamte Bau zum Stillstand und es entsteht das Bild einer ausbleibenden Knochenheilung.

Die erste und grundlegendste Säule ist die mechanische Stabilität. Die Frakturenden müssen miteinander in Kontakt stehen und bis zur Bildung von Heilungsgewebe vor übermäßiger Bewegung geschützt werden. Unabhängig davon, ob wir einen Gips verwenden oder während einer Operation eine Metallfixierung in Form von Platte, Schraube oder Nagel einsetzen, verfolgen wir nur ein Ziel: Die Knochenenden „ruhig“ oder „kontrolliert beweglich“ zu halten. Wenn das System zu locker ist, die Schrauben nicht halten und sich die Frakturenden bei jedem Schritt bewegen, kann sich in diesem Bereich kein Knochengewebe bilden. Der Körper versucht ständig, die Struktur abzubauen und neu aufzubauen, und gibt schließlich auf.

Die zweite Säule ist die biologische Vitalität und Durchblutung. Die „Bauarbeiter“, also die Zellen, und das „Baumaterial“, also Kalzium, Eiweiß und Sauerstoff, müssen den Frakturbereich erreichen. Diese logistische Unterstützung erfolgt über die Blutgefäße. Wenn beim Unfall sehr hohe Kräfte freigesetzt wurden und die umgebenden Weichteile, Muskeln und versorgenden Gefäße gequetscht wurden, sind die Transportwege in diesen Bereich gewissermaßen verschlossen. Kein Blut bedeutet keinen Sauerstoff, und kein Sauerstoff bedeutet keine heilungsfördernden Zellen. In diesem Fall können die Knochenenden nicht versorgt werden und es kommt zu einem Gewebetod, der als Nekrose bezeichnet wird.

Die dritte und häufig übersehene Säule ist die systemische Unterstützung, also der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Selbst wenn lokal alles optimal ist, kann der Bau nicht voranschreiten, wenn die allgemeinen Reserven des Körpers erschöpft sind.

Die grundlegenden Bausteine und systemischen Voraussetzungen, die der Körper für die Heilung benötigt, sind:

  • Ausreichende Eiweißzufuhr
  • Ausreichende Kalziumspeicher
  • Ausreichender Vitamin-D-Spiegel
  • Vitamin-C-Unterstützung
  • Ausgeglichene Hormonspiegel
  • Ein starkes Immunsystem
  • Ausreichende Sauerstoffversorgung

Wenn die Ernährung des Patienten unzureichend ist oder eine Stoffwechselstörung besteht, wäre es unrealistisch, eine lokale Heilung zu erwarten. Ein erheblicher Teil der Behandlungsfehlschläge entsteht dadurch, dass ausschließlich der Frakturbereich betrachtet und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten außer Acht gelassen wird.

Warum entsteht eine ausbleibende Knochenheilung und welche Risikofaktoren gibt es?

Warum heilt einer von zwei Patienten nach derselben Operation schnell, während der andere monatelang auf Unterarmgehstützen angewiesen bleibt? Die Antwort auf diese Frage hängt meist nicht von einer einzigen Ursache ab. Häufig führen mehrere ungünstige Faktoren gemeinsam zu diesem Ergebnis. Wir Ärzte teilen diese Ursachen in mechanische, biologische und patientenbezogene Faktoren ein.

Zu den häufigsten Problemen gehören mechanische Mängel. Wenn die bei der ersten Operation verwendeten Implantate nicht für die Frakturart geeignet sind, die ausgewählten Schrauben den Knochen nicht ausreichend fest halten oder bei mehrfragmentären Frakturen große Abstände zwischen den einzelnen Fragmenten bestehen, kann es zu einem mechanischen Versagen kommen. Damit ein Knochen heilt, müssen sich die Enden gewissermaßen „berühren“. Bei großen Zwischenräumen kann der Körper diese Distanz nicht mit Knochengewebe überbrücken.

Eine weitere große und gefürchtete Komplikation ist die Infektion. Gelangen Keime in den Frakturbereich, kommt der Heilungsprozess nahezu vollständig zum Stillstand. Bei einer Infektion verwendet der Körper seine Energie nicht zur Reparatur des Knochens, sondern zum Kampf gegen die Bakterien. Darüber hinaus zerstören die von den Bakterien freigesetzten Enzyme die Knochenenden, verschließen Gefäße und führen zur Bildung von „totem Knochengewebe“, einem sogenannten Sequester. Eine Infektion kann manchmal sehr unauffällig verlaufen, ihre Auswirkungen sind jedoch stets schädlich.

Darüber hinaus bestimmen der Lebensstil und bestehende Erkrankungen des Patienten, die sogenannten Wirtsfaktoren, wesentlich den Verlauf der Heilung. Rauchen ist beispielsweise der größte Feind der Knochenheilung. Nikotin und andere schädliche Substanzen verengen die feinsten Kapillaren, die den Knochen versorgen, und unterbrechen dadurch den Blutfluss. Knochengewebe, das nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, kann sich nicht regenerieren.

Zu den wichtigsten Faktoren, die eine ausbleibende Knochenheilung auslösen oder das Risiko erhöhen, gehören:

  • Rauchen
  • Diabetes
  • Adipositas
  • Niereninsuffizienz
  • Unzureichende Durchblutung
  • Vitamin-D-Mangel
  • Störungen des Parathormons
  • Hochenergetische Traumata
  • Offene Frakturen
  • Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR
  • Kortisonanwendung
  • Vorliegen einer Infektion

Vitamin-D-Mangel ist in unserer Gesellschaft deutlich häufiger, als allgemein angenommen wird. Ohne eine Behebung dieses Mangels ist eine gesunde Knochenheilung nur schwer zu erwarten. Zudem können bestimmte Schmerzmittel, die Patienten unkontrolliert und dauerhaft zur Schmerzlinderung einnehmen, die erste und wichtigste Phase der Heilung, die Entzündungsphase, unterdrücken und dadurch den Prozess beeinträchtigen.

Welche Arten der ausbleibenden Knochenheilung gibt es?

Wenn wir Ihre Röntgenaufnahmen beurteilen, belassen wir es nicht einfach bei der Feststellung, dass der Knochen „nicht geheilt“ ist. Zur Festlegung unseres Behandlungsplans teilen wir die Nonunion nach der Klassifikation von Weber und Cech in drei Hauptgruppen ein. Diese Einteilung hilft uns, die Vitalität der Knochenenden und die Reaktion des Körpers zu verstehen.

  • Die erste Form ist die hypertrophe, also vitale Nonunion. Auf den Röntgenaufnahmen sehen wir an den Frakturenden reichlich und manchmal sogar übermäßig viel neu gebildeten Knochen, den sogenannten Kallus. Dieses Bild wird gelegentlich mit einem „Elefantenfuß“ verglichen. Es zeigt uns Folgendes: Die biologische Fabrik Ihres Körpers funktioniert hervorragend, der Bereich ist gut durchblutet und der Körper unternimmt alles, um den Knochen zu heilen. Die Knochenenden sind jedoch so beweglich, dass die entstehenden Brücken ständig wieder zerstört werden und keine Vereinigung zustande kommt. Das Problem ist hier rein mechanischer Natur. Unsere Behandlungsstrategie besteht nicht darin, zusätzliche biologische Unterstützung zu geben, sondern die Fraktur stabiler zu fixieren. Sobald die Bewegung gestoppt ist, kann die Heilung erfolgen.
  • Die zweite Form ist die atrophe, also avitale Nonunion. Diese Situation ist schwieriger zu behandeln. Auf den Röntgenaufnahmen ist an den Frakturenden keinerlei neue Knochenbildung zu erkennen. Die Knochenenden sind dünn, zugespitzt und wirken wie ein aufgelöstes Bonbon oder eine Bleistiftspitze. Dieses Bild weist darauf hin, dass die biologische Aktivität im Bereich beendet ist, keine ausreichende Durchblutung besteht und die knochenbildenden Zellen nicht arbeiten. Das Problem ist hier nicht mechanischer, sondern biologischer Natur. Allein das Festziehen von Schrauben oder das Einsetzen einer dickeren Platte reicht nicht aus. Abgestorbenes Gewebe muss entfernt und der Bereich durch biologische Maßnahmen wie eine Knochentransplantation mit frischem Blut und lebenden Zellen versorgt werden.
  • Die dritte Form ist die oligotrophe Nonunion. Sie liegt zwischen den beiden anderen Extremen. Auf den Röntgenaufnahmen ist eine geringe Heilungsaktivität erkennbar, die jedoch für eine Vereinigung nicht ausreicht. Meist besteht sowohl eine Lockerung der Fixierung, also ein mechanisches Problem, als auch eine verlangsamte biologische Reaktion. In der Behandlung müssen beide Probleme gleichzeitig angegangen, die Stabilität verbessert und biologische Unterstützung gegeben werden.

Welche Methoden werden zur Diagnose einer ausbleibenden Knochenheilung eingesetzt?

Eine unserer wichtigsten diagnostischen Möglichkeiten sind zweifellos Röntgenaufnahmen, sie reichen jedoch nicht immer allein aus. Für mich beginnt die Diagnose mit den Beschwerden des Patienten und der körperlichen Untersuchung. Wenn ein Patient bei Belastung des Frakturbereichs, beispielsweise beim Auftreten auf das Bein, einen tiefen Schmerz verspürt, ist dies eines der wichtigsten Warnzeichen. Wenn ich während der Untersuchung die Frakturlinie manuell belaste und dort eine ungewöhnliche Beweglichkeit feststelle, liegt unabhängig vom Röntgenbefund sehr wahrscheinlich eine ausbleibende Heilung vor. Schmerzen sind der Hilferuf eines nicht heilenden Knochens.

Für eine genauere Beurteilung und die Planung einer Operation verwenden wir in der Regel weiterführende bildgebende Verfahren. Insbesondere die Computertomografie ist von entscheidender Bedeutung, um die dreidimensionale Struktur der Knochenenden zu sehen, den Abstand zwischen ihnen millimetergenau zu messen und zu erkennen, ob die Heilung von innen begonnen hat. Die wichtigste Unterscheidung besteht jedoch darin, festzustellen, ob eine Infektion beteiligt ist. Infektionen können manchmal sehr unauffällig verlaufen. Von außen sind weder Sekret noch Rötung oder Fieber erkennbar. Dies wird als „okkulte“, also verborgene Infektion bezeichnet.

Zu den grundlegenden Methoden, die wir für Diagnose und Differenzialdiagnose verwenden, gehören:

  • Körperliche Untersuchung
  • Schmerzanamnese des Patienten
  • Konventionelle Röntgenaufnahmen
  • Computertomografie (CT)
  • Vollständiges Blutbild
  • Blutsenkungsgeschwindigkeit
  • C-reaktives Protein (CRP)
  • PET/CT-Bildgebung
  • Gewebekultur und Biopsie

Bei Verdacht auf eine Infektion liefern Blutuntersuchungen wichtige Hinweise, sie können jedoch gelegentlich unauffällig sein. In sehr verdächtigen Fällen versuchen wir mithilfe nuklearmedizinischer Untersuchungen wie PET/CT eine erhöhte Stoffwechselaktivität im Knochen und mögliche Infektionsherde zu erkennen. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die endgültige Diagnose durch die Untersuchung zahlreicher Gewebeproben gestellt wird, die während der Operation aus dem betroffenen Bereich entnommen und im Labor analysiert werden.

Ist eine nichtoperative Behandlung der ausbleibenden Knochenheilung möglich?

Nicht bei jeder ausbleibenden Knochenheilung ist eine Operation zwingend erforderlich. Besonders bei Patienten, bei denen wir die Phase der „verzögerten Heilung“ früh erkennen, oder in Fällen, in denen die mechanische Stabilität ausreichend ist, die biologische Heilung jedoch verlangsamt verläuft, sind nichtoperative Methoden in der Regel unsere erste Wahl. Ziel ist es, das körpereigene Heilungspotenzial erneut zu aktivieren.

Der wichtigste Schritt besteht darin, den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten zu „optimieren“, also den Körper auf die Heilung vorzubereiten. Der Verzicht auf Rauchen ist dabei unverzichtbar. Zusätzlich können das Auffüllen niedriger Vitamin-D- und Kalziumspeicher sowie eine eiweißreiche Ernährung manchmal allein ausreichen, um einen zum Stillstand gekommenen Prozess wieder in Gang zu setzen. Wir erleben häufig, dass Patienten nach der Behandlung ihrer Stoffwechselprobleme ohne große und risikoreiche Operationen heilen.

Eine weitere technische Möglichkeit sind Geräte zur „niedrigintensiven gepulsten Ultraschalltherapie“ (LIPUS). Diese Geräte senden täglich für bestimmte Zeiträume Schallwellen an den Frakturbereich und stimulieren dadurch die Knochenzellen mechanisch. Diese Stimulation führt dazu, dass die Zellen gewissermaßen „aufwachen“ und erneut mit der Knochenbildung beginnen. Besonders in schlecht durchbluteten Bereichen wie dem Kahnbein des Handgelenks oder in frühen Phasen einer verzögerten postoperativen Heilung können damit sehr zufriedenstellende Ergebnisse erzielt werden. Damit die Methode wirksam ist, darf die Fraktur jedoch nicht sehr alt sein und es darf kein großer Abstand zwischen den Knochenenden bestehen.

Wie wird eine Operation bei keimfreier (aseptischer) ausbleibender Knochenheilung durchgeführt?

Wenn unsere Untersuchungen bestätigen, dass keine Infektion besteht, also eine aseptische Nonunion vorliegt, ist die chirurgische Strategie eindeutig: Es muss eine mechanisch äußerst stabile Konstruktion geschaffen und die biologische Aktivität im Bereich erneut angeregt werden.

Bei Patienten, bei denen nach einer Marknagelung der Unterschenkel- oder Oberschenkelknochen eine Nonunion entstanden ist, wenden wir häufig einen „Nagelwechsel“ an. Dabei entfernen wir nicht nur den alten Nagel und setzen einen neuen ein. Wir fräsen den Markraum mit speziellen Instrumenten, sogenannten Reamern, aus. Dieser Vorgang erfüllt zwei Ziele: Erstens wird der Markraum aufgefrischt und die Durchblutung verbessert. Zweitens gelangen die während des Fräsens entstehenden vitalen Knochenpartikel zur Frakturlinie und wirken dort wie ein natürliches Transplantat. Anschließend setzen wir einen dickeren und stabileren Nagel ein, der den Markraum ausfüllt und die Stabilität erhöht.

In einigen schwierigen Fällen, besonders am Oberschenkelknochen, der das gesamte Körpergewicht trägt, oder bei mehrfragmentären Frakturen reicht ein Nagelwechsel allein möglicherweise nicht aus. Dann verwenden wir eine „Plattenaugmentation“, die sinngemäß mit dem gleichzeitigen Tragen von Gürtel und Hosenträgern verglichen werden kann. Zusätzlich zu einem stabilen Nagel im Inneren des Knochens verstärken wir das System von außen mit einer Platte und Schrauben. Diese Kombination sorgt dafür, dass der Knochen sowohl gegenüber Biege- als auch gegenüber Rotationskräften maximal widerstandsfähig ist. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass dieses Verfahren besonders bei schwierigen Fällen sehr hohe Erfolgsraten besitzt und die Heilungsdauer verkürzt.

Warum unterscheidet sich die Behandlung einer infizierten ausbleibenden Knochenheilung?

Wenn die Nonunion von einer Infektion begleitet wird, also eine septische Nonunion vorliegt, ändern sich die Regeln vollständig. Unsere erste Priorität besteht dann nicht darin, den Knochen zur Heilung zu bringen, sondern zunächst den „Brand“ im betroffenen Bereich zu löschen. In einer infizierten Umgebung kann ein Knochen nicht heilen, und jede neue Platte, Schraube oder jeder Nagel, den wir einsetzen, bietet den Bakterien einen neuen Lebensraum. Deshalb teilen wir die Behandlung in zwei separate Phasen auf. Dies wird als „zweizeitiges Protokoll“ bezeichnet.

Die erste Phase konzentriert sich vollständig auf die Reinigung. Der Patient wird operiert und sämtliche zuvor eingesetzten Metallimplantate werden entfernt. Der schwierigste Teil besteht jedoch in der Entfernung des infizierten, abgestorbenen und nicht durchbluteten Knochengewebes, dem Débridement. In dieser Phase muss der Chirurg sehr konsequent vorgehen. Es darf nur blutendes, vitales und sauberes Knochengewebe zurückbleiben. In den entstandenen Defekt setzen wir anschließend spezielle medizinische Zemente ein, die mit hoch dosierten Antibiotika versetzt sind. Diese Zementblöcke halten den Raum offen und geben direkt im betroffenen Bereich Antibiotika in einer Konzentration ab, die über eine intravenöse Verabreichung nicht erreicht werden könnte.

Die in der ersten Phase verwendeten Behandlungskomponenten sind:

  • Entfernung der alten Implantate
  • Entfernung abgestorbenen Knochens (Débridement)
  • Antibiotikahaltiger Zement (Spacer)
  • Systemische Antibiotikatherapie
  • Gewebekulturen
  • Vorübergehende Stabilisierung

Die zweite Phase ist der Wiederaufbau. Wenn wir sicher sind, dass die Infektion vollständig ausgeheilt ist, die Blutwerte normal sind und während einer medikamentenfreien Phase, der sogenannten „Antibiotikapause“, keine erneuten Infektionszeichen auftreten, führen wir die zweite große Operation durch. Dabei entfernen wir den temporären Zement und nehmen die endgültige dauerhafte Rekonstruktion gemeinsam mit Knochentransplantaten vor.

Wie werden große Knochendefekte aufgefüllt?

Nach der Entfernung infizierten Gewebes oder bei einem Knochenverlust während des ursprünglichen Unfalls können große Defekte zwischen den Knochenenden zurückbleiben. Das Auffüllen solcher Defekte gehört zu den anspruchsvollsten Bereichen der Orthopädie und erfordert chirurgische Techniken mit hohem technischem Aufwand.

Eine dieser Methoden ist die „Masquelet-Technik“. Um den in der ersten Phase eingesetzten antibiotikahaltigen Zement bildet der Körper als Reaktion auf den Fremdkörper eine „biologische Membran“. Diese Membran ist äußerst wertvoll. Während der zweiten Operation entfernen wir den Zement, erhalten die Membran jedoch. Wir verwenden sie wie eine Röhre oder Hülle und füllen sie mit einer großen Menge Knochentransplantat, das aus dem Beckenknochen des Patienten gewonnen wurde. Die Membran ernährt die eingebrachten Knochenpartikel, verhindert ihre Verteilung und hält sie zusammen.

Eine weitere bemerkenswerte Methode ist der „Knochentransport“, also das Ilizarov-Verfahren. Dabei werden von außen angebrachte Ringe oder Schienensysteme verwendet. Der Defekt im Frakturbereich bleibt zunächst bestehen, während an einer anderen, gesunden Stelle des Knochens ein kontrollierter Schnitt durchgeführt wird. Durch das tägliche millimeterweise Verstellen der Schrauben wird das abgetrennte gesunde Knochenstück langsam in Richtung des Defekts „transportiert“. Während sich der Knochen bewegt, entsteht durch die entstehende Spannung hinter ihm neues Knochengewebe. Dieses Verfahren nutzt einen biologischen Prozess, durch den der Körper selbst neuen Knochen bildet. Besonders bei hohem Infektionsrisiko kann diese Methode eine sicherere Alternative sein, weil kein großer neuer Fremdkörper eingesetzt werden muss.

Woher wird ein Knochentransplantat entnommen und wie wird es eingesetzt?

Wenn wir bei der Behandlung einer Nonunion von „biologischer Unterstützung“ sprechen, meinen wir in der Regel eine Knochentransplantation. Der „Goldstandard“, also das beste Material, ist weiterhin der körpereigene Knochen des Patienten, das sogenannte Autograft. Der eigene Knochen besitzt drei entscheidende Eigenschaften, die im Labor nicht vollständig nachgebildet werden können: Er enthält lebende Knochenzellen, knochenbildende Wachstumsfaktoren und dient als ideales Gerüst, an dem sich neuer Knochen anlagern kann.

Traditionell wird das Knochentransplantat vom Beckenkamm entnommen. Nach diesem Eingriff leiden manche Patienten jedoch länger an Schmerzen an der Entnahmestelle im Becken als im eigentlichen Operationsbereich. Um dieses Problem zu reduzieren, verwenden wir in den letzten Jahren zunehmend moderne RIA-Systeme, also Reamer-Irrigator-Aspirator-Systeme. Damit können wir mithilfe eines speziellen Geräts eine große Menge hochwertigen Knochenmarks aus dem Oberschenkelknochen gewinnen, gewissermaßen wie mit einem Strohhalm. Dieses Verfahren belastet den Patienten deutlich weniger, verursacht weniger Schmerzen und liefert in der Regel eine größere Transplantatmenge.

Wenn körpereigener Knochen nicht ausreicht oder seine Entnahme zu riskant ist, können speziell aufbereitete Knochen von Verstorbenen, sogenannte Allografts, oder synthetische Knochenersatzmaterialien verwendet werden. Durch Fortschritte in der Biotechnologie werden außerdem sehr wirksame Proteine wie „BMP“, also knochenmorphogenetische Proteine, eingesetzt. Diese Proteine geben den Stammzellen im behandelten Bereich gewissermaßen den Befehl, Knochen zu bilden, und können dadurch die Heilung erheblich beschleunigen. Patienten fragen häufig auch nach einer PRP-Behandlung mit thrombozytenreichem Plasma. Obwohl PRP eine beliebte Methode ist, reicht sie bei schwierigen Nonunion-Fällen allein nicht aus und sollte eher als unterstützende Maßnahme betrachtet werden.

Häufig gestellte Fragen

Eine ausbleibende Knochenheilung liegt vor, wenn eine Fraktur nicht innerhalb der erwarteten Zeit heilt und sich die Knochenenden nicht vereinigen. Unzureichende Durchblutung, Infektionen, Rauchen, Diabetes und eine instabile Fraktur gehören zu den wichtigsten Ursachen.
Lang anhaltende Schmerzen im Frakturbereich, Empfindlichkeit bei Bewegung, Schwellung, fehlende Belastbarkeit und eine länger als erwartet dauernde Heilung gehören zu den häufigsten Symptomen einer ausbleibenden Knochenheilung.
Die grundlegende Diagnostik besteht aus der körperlichen Untersuchung und Röntgenaufnahmen. Bei Bedarf kann eine Computertomografie zur detaillierten Beurteilung der Knochenheilung und eine MRT zur Untersuchung der Weichteile eingesetzt werden.
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Chirurgische Stabilisierung, Knochentransplantationen, biologische Unterstützungsmaßnahmen und bei geeigneten Patienten Verfahren zur Förderung der Knochenheilung können miteinander kombiniert werden.
Eine Operation kann erforderlich sein, wenn die Fraktur über längere Zeit nicht heilt, die Implantate unzureichend sind, ein Defekt zwischen den Knochenenden besteht oder sich eine Infektion entwickelt hat. Das Operationsverfahren wird individuell geplant.
Rauchen, Diabetes, höheres Alter, Mangelernährung, Infektionen, Gefäßverletzungen, bestimmte Medikamente und hochenergetische Frakturen gehören zu den wichtigsten Faktoren, die das Risiko einer ausbleibenden Knochenheilung erhöhen können.
Die Heilungsdauer kann je nach Lage der Fraktur, angewandter Behandlung, Alter und allgemeinem Gesundheitszustand des Patienten unterschiedlich sein. Regelmäßige Kontrollen, geeignete Ernährung und die Einhaltung der ärztlichen Empfehlungen können den Heilungsverlauf positiv beeinflussen.
Der Verzicht auf Rauchen, eine ausgewogene Ernährung, die Behebung eines Vitamin-D- oder Kalziummangels, eine geeignete Stabilisierung der Fraktur und die Einhaltung der ärztlichen Empfehlungen können die Knochenheilung unterstützen.
Physiotherapie hilft dabei, den Bewegungsumfang der Gelenke zu erhalten, die Muskelkraft zu steigern und die funktionelle Erholung zu unterstützen. Das Übungsprogramm sollte an den Verlauf der Knochenheilung angepasst werden.
Bei starken Schmerzen, hohem Fieber, Rötung oder Sekretaustritt im Frakturbereich, offenen Wunden, plötzlicher Fehlstellung, Gefühlsverlust oder bläulicher Verfärbung als möglichem Zeichen einer Durchblutungsstörung sollte sofort eine medizinische Einrichtung aufgesucht werden.
Aktualisierungsdatum: 24. Juli 2026

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