Ein Sehnenriss ist der Verlust der Kontinuität jener äußerst festen und speziellen Bindegewebe, die die von den Muskeln erzeugte Bewegungskraft auf die Knochen übertragen und dadurch die Funktion der Gelenke ermöglichen, infolge einer plötzlichen Belastung oder Degeneration. Die Trennung dieser Strukturen, die die biomechanischen Brücken des Körpers darstellen, ist eine schwere Verletzung, die sich durch einen sofort auftretenden Funktionsverlust und starke Schmerzen im betroffenen Bereich zeigt. Dieses Bild, das zu den kritischsten Bereichen der Orthopädie und Traumatologie gehört, ist nicht nur eine körperliche Trennung, sondern das Ausfallen eines lebenswichtigen Glieds des Bewegungssystems. Mit frühzeitiger Diagnose und richtigen klinischen Ansätzen ist das grundlegende Ziel, dass diese Gewebe ihre funktionelle Kapazität wiedererlangen und die Person ihre Gesundheit zurückgewinnt.

Wie entsteht ein Sehnenriss?

In dem Moment, in dem eine Sehne reißt, kann die vom Muskel erzeugte mechanische Kraft nicht mehr auf den Knochen übertragen werden. Ähnlich wie bei einem durchtrennten Kabel, das Strom leitet, arbeitet eine Seite des Systems zwar weiter, doch da das Endziel nicht erreicht wird, kommt es im Gelenk zu keiner Bewegung. Der Muskel, der sich zusammenziehen möchte, findet keinen Widerstand und zieht sich in sich selbst zurück. Sobald der Körper diesen Schaden wahrnimmt, startet er schnell einen Reparaturmechanismus. Das in diesem Reparaturprozess neu gebildete Gewebe besitzt jedoch nicht die perfekte, elastische und parallele Struktur der ursprünglichen Sehne. Stattdessen entsteht ein härteres und weniger elastisches Narbengewebe, auch Skargewebe genannt. Dass dieses neue Gewebe das ursprüngliche Gewebe nicht vollständig ersetzen kann, ist das wichtigste Detail, das zeigt, wie kritisch der Behandlungs- und Physiotherapieprozess ist.

Was sind die Ursachen eines Sehnenrisses und die mechanischen Risikofaktoren?

Dass eine gesunde Sehne mit normal erhaltener Struktur plötzlich ohne Grund reißt, ist eine sehr seltene Situation. Meistens liegt im Hintergrund dieser Verletzungen ein seit Langem bestehender, von der Person jedoch nicht bemerkter Prozess der Schwächung und Abnutzung auf zellulärer Ebene. Eine plötzliche und unkontrollierte Belastung auf dieses abgenutzte Gewebe ist der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Besonders Bewegungen, bei denen sich der Muskel verlängert und gleichzeitig zu kontrahieren versucht, erzeugen eine enorme Spannung auf den Sehnen. Plötzliches Abbremsen beim Bergablaufen, das Landen nach einem Sprung aus großer Höhe oder eine abrupte Beschleunigung auf dem Fußballplatz sind die besten Beispiele dafür. Auch harte direkte Schläge auf diesen Bereich oder Verletzungen durch scharfe Gegenstände können die strukturelle Integrität sofort zerstören.

Welche Krankheiten erhöhen das Risiko eines Sehnenrisses?

Einige systemische Erkrankungen in unserem Körper verhindern die gesunde Ernährung des Sehnengewebes und beeinträchtigen die Produktion von Kollagen, seinem Grundbaustein. Dadurch wird das Gewebe mit der Zeit brüchig und bereits bei geringster Belastung rissanfällig. Diese Erkrankungen sind:

  • Systemischer Lupus erythematodes
  • Rheumatoide Arthritis
  • Psoriasis-Arthritis
  • Gicht
  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Hyperparathyreoidismus

Welche Medikamente erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Sehnenrisses?

Einige Medikamentengruppen, die in medizinischen Behandlungen häufig verwendet werden, können als Nebenwirkung Sehnenzellen schädigen und die Struktur von innen heraus schwächen, wodurch Risse begünstigt werden. Diese riskanten Medikamentengruppen sind:

  • Antibiotika der Fluorchinolon-Gruppe
  • Orale Kortikosteroide
  • Lokale Kortisoninjektionen
  • Einige immunsuppressive Medikamente

Was sind allgemein die Symptome eines Sehnenrisses?

In dem Moment, in dem die Sehne reißt, sind die Reaktionen des Körpers sehr stark und charakteristisch. Patienten beschreiben den Moment des Ereignisses meist so, als hätte eine äußere körperliche Einwirkung stattgefunden. Es entsteht ein Gefühl, als hätte jemand von hinten getreten, als sei ein Stein gegen das Bein geschlagen oder als wäre von innen ein lautes Geräusch gekommen, das das Reißen eines dicken Seils ankündigt. Die wichtigsten auftretenden Symptome sind:

  • Stechender Schmerz
  • Schnell entstehende Schwellung
  • Farbveränderung
  • Bewegungseinschränkung
  • Kraftverlust
  • Gefühl einer Lücke im Gewebe

Wie erkennt man einen Achillessehnenriss und was sind seine Symptome?

Wenn die Achillessehne, die direkt hinter der Ferse liegt und die größte sowie dickste Sehne des Körpers ist, reißt, ist das entstehende Bild sehr eindeutig. Das auffälligste Merkmal ist, dass die Person sich auf dem betroffenen Bein nicht auf die Zehenspitzen erheben kann. Das Gehen ist vollständig gestört und die Person muss den Fuß schleifend aufsetzen. In den ersten Stunden nach dem Riss ist beim Abtasten wenige Zentimeter oberhalb der Ferse eine deutliche Delle oder Lücke zu spüren, wo normalerweise eine gespannte Schnur tastbar sein sollte. In den folgenden Stunden füllen die innere Blutung und das entstehende Ödem diese Lücke und verursachen eine vollständige Schwellung der Region. In der Diagnosephase werden sehr einfache, aber zuverlässige körperliche Untersuchungsmethoden angewendet, wie das Zusammendrücken der Wadenmuskulatur in Bauchlage; wenn sich der Fuß beim Zusammendrücken der Wade nicht nach unten bewegt, ist klar, dass die Verbindung vollständig gerissen ist.

Wie erkennt man Sehnenrisse im Schulter- und Kniebereich?

Ein Riss der Rotatorenmanschettensehnen im Schultergelenk zeigt sich meist durch starke Schmerzen, die nachts aus dem Schlaf wecken und von der seitlichen Schulterseite in den Arm ausstrahlen. Die Person hat große Schwierigkeiten, den Arm aus eigener Kraft anzuheben oder nach hinten zum Rücken zu führen. Im Kniebereich wird es bei einem Riss der Sehnen direkt oberhalb oder unterhalb der Kniescheibe unmöglich, das Bein gerade nach vorne zu strecken. Der Patient kann das Bein im Sitzen nicht gerade in die Luft heben. Außerdem kann sichtbar auffallen, dass die Kniescheibe deutlich weiter nach oben oder deutlich weiter nach unten verschoben ist als in ihrer normalen Position.

Welche Methoden werden zur Diagnose eines Sehnenrisses verwendet?

Obwohl die klinische Untersuchung und die vom Patienten geschilderte Geschichte meist ausreichen, um die Diagnose zu stellen, werden bildgebende Verfahren eingesetzt, um das genaue Ausmaß des Schadens zu verstehen und den Behandlungsplan zu erstellen. Die hierfür am häufigsten verwendeten Methoden sind:

  • Ultrasonografie
  • Magnetresonanztomografie
  • Röntgenaufnahme

Kann ein Sehnenriss ohne Operation behandelt werden?

Nicht jeder Sehnenriss endet zwangsläufig auf dem Operationstisch. In Fällen, in denen der Riss teilweise ist, also ein Teil der Sehne intakt bleibt, liefern nichtoperative Methoden sehr erfolgreiche Ergebnisse. Darüber hinaus werden auch bei Patienten in fortgeschrittenem Alter, bei denen eine Narkose ein lebensbedrohliches Risiko darstellt oder deren Erwartungen an die tägliche Aktivität sehr gering sind, nichtchirurgische Behandlungen bevorzugt, die als konservativ bezeichnet werden. Dieser Prozess umfasst meist die Ruhigstellung der Region für eine bestimmte Zeit mit speziellen Schienen, Gipsverbänden oder medizinischen Gehschuhen. Ziel ist es, dass die gerissenen Enden mit der Zeit auf natürliche Weise zusammenheilen. Bei dieser Methode ist der Heilungsprozess jedoch länger, und besonders bei vollständigen Rissen ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Risses in der Zukunft etwas höher als bei operativen Methoden. Außerdem ist eine Schwächung und ein Abbau der Muskeln, die lange Zeit ruhiggestellt bleiben, eine unvermeidliche Folge.

Wie wird eine Sehnenriss-Operation (chirurgische Behandlung) durchgeführt?

Bei jungen Menschen mit aktivem Leben und in Fällen, in denen die Sehne vollständig in zwei Teile getrennt ist, ist die chirurgische Behandlung der Goldstandard. Die Grundphilosophie der Operation besteht darin, die gerissenen Enden wieder zusammenzuführen, die ursprüngliche Länge und Spannung der Sehne wiederherzustellen und so die mechanische Kraft des Gelenks zurückzugewinnen. Bei frisch entstandenen, neuen Rissen wird meist die End-zu-End-Reparatur angewendet. Dabei werden die beschädigten und unregelmäßig gewordenen Sehnenenden gereinigt und mit speziellen, im Körper nicht resorbierbaren und sehr belastbaren Nahtfäden fest miteinander vernäht.

Wenn seit der Verletzung viel Zeit vergangen ist und sich die Sehnenenden weit zurückgezogen haben, reicht ein einfaches Vernähen nicht aus. In solchen verzögerten Fällen wird die Region mithilfe von Ersatzsehnen, die aus einem anderen Körperbereich, meist aus der Kniekehle, entnommen werden, oder mit von außen bereitgestellten fertigen Sehnentransplantaten regelrecht neu aufgebaut. Bei einigen Rissen im Schulter- oder Bizepsbereich wird die Sehne mit speziellen Schrauben und Ankern direkt wieder an dem Knochen befestigt, von dem sie abgerissen ist. Mit der fortschreitenden Technologie können während dieser Reparaturen inzwischen auch thrombozytenreiches Plasma oder zelluläre Therapien in diesen Bereich eingebracht werden, um die Heilung zu beschleunigen.

Wie verläuft der Heilungsprozess nach einer Sehnenriss-Operation?

So sehr der Erfolg der Operation zählt, beeinflusst auch die Art und Weise, wie der Prozess nach der Operation gesteuert wird, das erzielte Ergebnis direkt. Eine erfolgreiche chirurgische Reparatur kann nur mit einem sehr gut geplanten, schrittweise fortschreitenden Rehabilitationsprogramm gekrönt werden. Der Heilungsprozess wird im Allgemeinen in verschiedene aufeinanderfolgende Phasen unterteilt.

Die erste Phase ist die Schutzphase, in der das Gewebe am empfindlichsten ist und keinerlei Belastung auf die Nähte kommen darf. In dieser Phase wird die Region meist mithilfe von Schienen fixiert und es wird abgewartet, bis die ersten Grundlagen der Heilung gelegt sind. Die Kontrolle von Schmerz und Ödem hat höchste Priorität. In der nächsten Phase, in der das Gewebe zu verheilen beginnt, wird auf spezielle bewegliche Gehschuhe oder winkelverstellbare Geräte umgestellt. Mit sehr leichten Belastungen und kontrolliert wird begonnen, das Gelenk zu bewegen. Diese frühe Bewegung ist von entscheidender Bedeutung, um die Elastizität des entstehenden Narbengewebes zu erhöhen.

In den Wochen, in denen die Kontinuität des Gewebes weitgehend hergestellt ist, werden die Schutzgeräte vollständig abgelegt und auf Alltagsschuhe umgestellt. Diese Phase konzentriert sich vollständig darauf, die geschwächten Muskeln wieder zu kräftigen. Durch den Einsatz elastischer Widerstandsbänder und Balanceboards werden sowohl Muskelkraft als auch das Positionsgefühl des Gelenks zurückgewonnen. In den fortgeschrittenen Phasen der Heilung wird zu dynamischeren und anspruchsvolleren Bewegungen übergegangen. Die Muskeln sollten nun stark genug sein, um alle Anforderungen des Alltags zu erfüllen.

Wann kann man nach einem Sehnenriss zum Sport zurückkehren?

Um nach einer Verletzung sicher auf das Spielfeld oder zu intensiven körperlichen Aktivitäten zurückkehren zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen vollständig erfüllt sein. Dass lediglich Zeit vergangen ist, ist kein ausreichendes Kriterium. Die Kriterien für eine sichere Rückkehr sind:

  • Schmerzfreie Beweglichkeit
  • Symmetrische Muskelkraft
  • Voller Gelenkbewegungsumfang
  • Ausreichende Sprungleistung
  • Psychologisches Bereitschaftsgefühl

Wie kann ein Sehnenriss verhindert werden?

Auch wenn es nicht möglich ist, Sehnenverletzungen vollständig zu verhindern, liegt es durchaus in unserer Hand, dieses Risiko durch einige einfache Änderungen der täglichen Gewohnheiten und Sportroutinen auf ein Minimum zu reduzieren. Die Erhaltung der Sehnengesundheit ist eine Lebensgewohnheit, auf die nicht nur Sportler, sondern Menschen jeden Alters und jedes Aktivitätsniveaus achten sollten.

Besonders das Vorbereiten der Muskeln und Sehnen auf die bevorstehende Aktivität vor dem Training erhöht ihre Elastizität und macht sie widerstandsfähiger gegenüber plötzlichen Belastungen. So wie ein kalter Gummi reißt, wenn er plötzlich gezogen wird, sich aber im erwärmten Zustand leicht dehnt, benötigen auch die Bänder in unserem Körper vor der Bewegung ein Aufwärmen. Ebenso gibt es den Geweben die nötige Zeit, sich an diese neue Belastung anzupassen, wenn Personen, die neu mit Sport beginnen oder nach einer langen Pause zurückkehren, die Aktivitätsintensität von Tag zu Tag steigern, statt ihren Körper plötzlich zu überlasten.

Die Verwendung der richtigen Ausrüstung ist mindestens so wichtig wie die Trainingsform. Die Wahl falscher Schuhe kann insbesondere die Belastung der Sehnen im Sprunggelenk und Knie auf ein unglaubliches Maß erhöhen. Auch Ernährungsgewohnheiten und Lebensstilentscheidungen beeinflussen die Gewebequalität direkt. Ausreichend Wasser zu trinken sorgt dafür, dass die Gewebe nicht austrocknen und ihre Elastizität bewahren, während Rauchen im Gegenteil die Sauerstoffmenge, die zum Gewebe gelangt, reduziert und die Sehnen schwächt. Die Maßnahmen, die zum Schutz der Sehnengesundheit ergriffen werden können, sind:

  • Regelmäßige Dehnübungen durchführen
  • Nicht ohne Aufwärmen mit dem Sport beginnen
  • Schuhe verwenden, die zur Fußstruktur passen
  • Die Trainingsintensität langsam steigern
  • Tagsüber reichlich Wasser trinken
  • Auf Ruhezeiten achten
  • Das ideale Körpergewicht halten
Aktualisierungsdatum: 22. Mai 2026

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