Die Kniescheibenluxation ist eine orthopädische Erkrankung, bei der sich die Patella aus der Führungsrinne des Oberschenkelknochens verlagert und dadurch die Stabilität des Kniegelenks beeinträchtigt wird. Dieses Krankheitsbild entsteht meist durch ein Trauma, eine plötzliche Richtungsänderung oder eine anatomische Veranlagung und führt bei Bewegungen zu Schmerzen und Funktionsverlust.
Zu den Symptomen einer Kniescheibenluxation gehören plötzlich einsetzende starke Knieschmerzen, Schwellungen, Bewegungseinschränkungen und ein Instabilitätsgefühl im Knie. Die Patella verlagert sich meist nach außen, und der Patient hat Schwierigkeiten, das Knie vollständig zu beugen. Wiederholte Luxationen erhöhen das Risiko einer chronischen Instabilität.
Die Ursachen einer Kniescheibenluxation stehen mit Fehlstellungen des patellofemoralen Gelenks, Bandlaxität, muskulären Dysbalancen und traumatischen Belastungen in Zusammenhang. Besonders bei jungen und aktiven Menschen stellen Sportverletzungen einen wichtigen Faktor dar. Bei anatomischer Veranlagung kann bereits ein geringfügiges Trauma eine Luxation auslösen.
Die Behandlung einer Kniescheibenluxation umfasst in der Akutphase die Reposition, Ruhigstellung, Kühlung und Immobilisation. In fortgeschrittenen Fällen werden im Rahmen der Physiotherapie Programme zur Muskelkräftigung durchgeführt. Bei wiederkehrender Instabilität können operative Stabilisierungsmethoden eine dauerhafte Lösung bieten.
| Wissenswertes | Information |
| Definition | Die Kniescheibenluxation (Patellaluxation) bezeichnet die Verlagerung der Patella aus der normalerweise vorhandenen femoralen Gleitrinne (Trochlea), meist nach außen (lateral). Eine teilweise Verlagerung wird als „Subluxation“, eine vollständige Ausrenkung als „Luxation“ bezeichnet. |
| Anatomie | Die Patella ist über den Quadrizepsmuskel und die Patellarsehne Teil des Streckapparates des Kniegelenks. Ihre Stabilität wird durch knöcherne Strukturen wie die Trochlearinne, Bänder, insbesondere das mediale patellofemorale Ligament (MPFL), das muskuläre Gleichgewicht und die Weichteile gewährleistet. |
| Häufigkeit | Sie tritt besonders häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Sportlern und Frauen auf. Die erste Luxation ist meist traumatisch, während wiederkehrende Luxationen häufig mit anatomischen Veranlagungen zusammenhängen. |
| Ursachen | Traumata wie plötzliches Drehen, Richtungswechsel oder Stürze, ein schwacher oder unausgeglichener Quadrizepsmuskel, eine flache Trochlearinne, Patella alta, Bandlaxität, Genu valgum und bereits vorausgegangene Luxationen. |
| Risikofaktoren | Junges Alter, weibliches Geschlecht, familiär bedingte Bandlaxität, sportliche Aktivitäten wie Fußball, Basketball und Volleyball, anatomische Fehlstellungen und eine frühere Patellaluxation. |
| Symptome | Plötzlich auftretende Knieschmerzen, sichtbare Fehlstellung, Bewegungseinschränkung, Instabilitätsgefühl im Knie, Schwellung durch Hämarthros, Druckempfindlichkeit und Unfähigkeit, das Bein zu belasten. Bei einer Subluxation kann eine vorübergehende Verlagerung mit spontaner Rückkehr in die normale Position auftreten. |
| Diagnoseverfahren | Klinische Untersuchung mit Prüfung der patellaren Druckempfindlichkeit und Apprehension-Test, Röntgenaufnahmen zur Beurteilung von Frakturen und Achsverhältnissen sowie Magnetresonanztomographie zur Untersuchung von Bandverletzungen und Knorpelschäden. |
| Akutbehandlung | Geschlossene Reposition der Patella, Immobilisation des Knies, Kälteanwendung, Hochlagerung und Schmerztherapie. Nach der Reposition werden die Stabilität und mögliche Begleitverletzungen beurteilt. |
| Konservative Behandlung | Verwendung einer Knieorthese, Physiotherapie und Rehabilitation, insbesondere Kräftigung des Musculus vastus medialis obliquus, Gleichgewichts- und Propriozeptionsübungen sowie ein schrittweises Programm zur Rückkehr zur Aktivität. |
| Operative Behandlung | Sie wird bei wiederkehrenden Luxationen, schweren Bandrissen oder osteochondralen Frakturen angewendet. Verfahren wie die MPFL-Rekonstruktion, die Verlagerung der Tuberositas tibiae oder eine Trochleoplastik können eingesetzt werden. |
| Rehabilitationsverlauf | In der Frühphase kontrollierte Bewegung, Muskelkräftigung, Erhalt des Bewegungsumfangs und schrittweiser Belastungsaufbau. Für Sportler werden spezifische Leistungsübungen geplant. |
| Mögliche Komplikationen | Wiederkehrende Luxationen, Knorpelschäden, osteochondrale Frakturen, chronische Knieschmerzen und die Entwicklung einer patellofemoralen Arthrose. |
| Vorbeugung | Regelmäßige Übungen zur Muskelkräftigung, Aufwärmen vor dem Sport, geeignetes Schuhwerk, Erhalt des muskulären Gleichgewichts rund um das Knie und Vermeidung riskanter Bewegungen. |
| Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden? | Bei einer plötzlich sichtbaren Fehlstellung des Knies, starken Schmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung oder wiederkehrendem Verrutschungsgefühl ist eine orthopädische Untersuchung erforderlich. |
Yazı İçeriği
Was ist eine Kniescheibenluxation?
Eine Kniescheibenluxation bezeichnet das teilweise Herausrutschen der Kniescheibe aus der Führungsrinne des Femurs als Subluxation oder das vollständige Herausspringen als Luxation. Diese Verlagerung kann starke Schmerzen an der Vorderseite des Knies, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen verursachen. Die Kniescheibe ist ein dreieckiger Knochen an der Vorderseite des Knies und über die Sehnen des Quadrizepsmuskels mit dem Oberschenkelknochen verbunden. Diese Verbindung ermöglicht die Streckung des Knies. Das reibungslose Gleiten der Kniescheibe innerhalb dieser Rinne ist für eine gesunde Kniefunktion von entscheidender Bedeutung.
Anatomie und Funktion der Kniescheibe
Mehrere wichtige Strukturen sorgen dafür, dass die Kniescheibe in der richtigen Position bleibt. Dazu gehören:
- Trochlearinne: Die V-förmige Rinne am unteren Ende des Femurs, in der die Kniescheibe gleitet. Tiefe und Form dieser Rinne spielen eine entscheidende Rolle für die Stabilität der Patella.
- Mediales patellofemorales Ligament (MPFL): Es liegt an der Innenseite der Kniescheibe und ist einer der wichtigsten Stabilisatoren. Es verhindert, dass die Kniescheibe nach außen verrutscht.
- Quadrizepsmuskulatur: Diese Muskelgruppe an der Vorderseite des Oberschenkels zieht die Kniescheibe nach oben und ermöglicht die Streckung des Knies. Ein ausgewogenes Zusammenspiel der Muskeln hilft dabei, die Patella zentral in der Rinne zu halten.
- Retinakulum: Ein Band aus Bindegewebe, das die Kniescheibe umgibt und dabei hilft, sie in ihrer Position zu halten.
Eine Kniescheibenluxation kann entstehen, wenn eine oder mehrere dieser stabilisierenden Strukturen verletzt oder geschwächt sind. Ein Riss des MPFL erhöht beispielsweise das Risiko einer seitlichen Verlagerung der Kniescheibe deutlich. Laut einem Bericht der Amerikanischen Gesellschaft für Sportmedizin wird bei etwa 50 Prozent der Patienten mit einer erstmaligen Kniescheibenluxation eine MPFL-Verletzung festgestellt.
Ursachen einer Kniescheibenluxation
Einer Kniescheibenluxation können zahlreiche Faktoren zugrunde liegen. Diese Ursachen lassen sich meist in anatomische Veranlagungen, traumatische Verletzungen und Überlastungen durch wiederholte Beanspruchung einteilen. Orthopädische Fachärzte weisen darauf hin, dass diese Faktoren in einem komplexen Zusammenspiel zu einer Verlagerung der Kniescheibe führen können.
Anatomische Veranlagungen
Einige Menschen sind aufgrund angeborener anatomischer Besonderheiten anfälliger für eine Kniescheibenluxation. Dazu können gehören:
- Flache Trochlearinne (hypoplastische Trochlea): Ist die Rinne am unteren Ende des Femurs nicht ausreichend tief, kann die Kniescheibe leichter herausspringen. Diese Variante kann bei etwa 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung vorkommen.
- Hochstehende Kniescheibe (Patella alta): Liegt die Patella höher als normal, kann ihre Stabilität in der Rinne beim Beugen des Knies vermindert sein.
- Außenrotation der Tibia (Tibiatorsion): Eine nach außen gedrehte Stellung des Schienbeins kann dazu führen, dass die Kniescheibe nach außen gezogen wird.
- Überpronation (Pes planus oder Pronation): Das Einsinken des Fußgewölbes nach innen kann die Beinachse beeinflussen und den Druck auf die Kniescheibe erhöhen.
Traumatische Verletzungen
Eine der häufigsten Ursachen einer Kniescheibenluxation sind direkte Verletzungen des Knies. Dazu gehören:
- Direkter Schlag: Ein plötzlicher und starker Schlag gegen das Knie kann insbesondere bei leicht gebeugtem Knie dazu führen, dass die Kniescheibe aus ihrer Position springt. Solche Verletzungen treten häufiger bei Sportarten wie Fußball, Basketball und Skifahren auf.
- Verdrehverletzungen: Ein plötzliches und unkontrolliertes Verdrehen des Kniegelenks kann zu einem Riss der stabilisierenden Bänder, insbesondere des MPFL, führen. Dies ist die primäre Verletzung bei mehr als 70 Prozent der Kniescheibenluxationen.
- Stürze: Stürze aus größerer Höhe oder auf rutschigem Untergrund können die Kniescheibe überlasten und eine Luxation verursachen.
Überlastung und wiederholte Beanspruchung
Wiederholte Bewegungen und Überbeanspruchung können ebenfalls eine Kniescheibenluxation begünstigen. Dies wird besonders bei Sportlern beobachtet:
- Laufen und Springen: Laufen, Springen und abruptes Abbremsen belasten die Kniescheibe wiederholt und können langfristig zu Verschleiß und Instabilität im patellofemoralen Gelenk führen.
- Muskuläre Dysbalancen: Eine Schwäche des Quadrizeps, insbesondere des Musculus vastus medialis obliquus (VMO), oder eine Verkürzung der hinteren Oberschenkelmuskulatur kann die Bewegung der Kniescheibe beeinträchtigen. Eine Schwäche des VMO erleichtert das seitliche Abgleiten der Patella. Untersuchungen zeigen, dass bei 80 Prozent der Patienten mit Kniescheibenluxation eine VMO-Schwäche festgestellt wurde.
- Trainingsfehler: Unzureichendes Aufwärmen, eine plötzliche Steigerung der Trainingsintensität oder falsche Trainingstechniken können die Belastung des Kniegelenks erhöhen und das Verletzungsrisiko steigern.
Weitere Faktoren
- Adipositas: Übergewicht erhöht die Belastung der Kniegelenke und kann das Risiko einer Kniescheibenluxation steigern.
- Alter: Obwohl die Erkrankung häufiger bei jungen Menschen und Sportlern auftritt, kann sie auch im höheren Alter infolge degenerativer Veränderungen entstehen.
- Genetische Veranlagung: Bei Personen mit familiärer Vorgeschichte einer Kniescheibenluxation kann das Risiko erhöht sein.
Symptome einer Kniescheibenluxation
Die Symptome einer Kniescheibenluxation können je nach Schweregrad, Wiederholung der Luxation und allgemeinem Gesundheitszustand des Patienten unterschiedlich ausfallen. Zu den häufigsten Beschwerden gehören jedoch:
- Plötzlich auftretende starke Schmerzen
Das auffälligste Symptom einer Kniescheibenluxation ist ein plötzlich einsetzender und starker Schmerz an der Vorderseite des Knies. Dieser Schmerz tritt in dem Moment auf, in dem die Patella aus ihrer Position springt, und kann sich bei Bewegung verstärken. Häufig wird der Schmerz an der Außenseite des Knies besonders intensiv wahrgenommen.
Gefühl oder sichtbares Zeichen einer verrutschten Kniescheibe
Viele Patienten spüren, dass sich die Kniescheibe verlagert oder nach außen bewegt hat. In manchen Fällen kann die abweichende Position der Patella ertastet oder von außen gesehen werden. Dies kann insbesondere auftreten, wenn das Knie nicht vollständig gebeugt ist, aber belastet wird, etwa beim Treppenabsteigen oder Aufstehen.
- Schwellung und Druckempfindlichkeit
Die Verlagerung im Kniegelenk kann zu einer Flüssigkeitsansammlung im Gelenk, einem sogenannten Erguss, und dadurch zu einer Schwellung führen. Bei Berührung der Umgebung der Kniescheibe bestehen meist deutliche Druckempfindlichkeit und Schmerzen.
- Bewegungseinschränkung
Die Verlagerung der Kniescheibe kann verhindern, dass das Knie vollständig gebeugt oder gestreckt wird. Dadurch werden alltägliche Tätigkeiten wie Gehen oder Treppensteigen erschwert. Patienten haben häufig Schwierigkeiten, das Knie zu bewegen, und können ein Gefühl des Hängenbleibens oder Blockierens verspüren.
- Instabilitäts- und Unsicherheitsgefühl
Eine Instabilität der Patella kann beim Gehen zu Gleichgewichtsstörungen und einem Unsicherheitsgefühl im Knie führen. Dadurch steigt das Sturzrisiko, und die Lebensqualität kann beeinträchtigt werden.
- Geräusche und Klickgefühl
Während oder nach einer Kniescheibenluxation können aus dem Kniegelenk Klick- oder Knackgeräusche zu hören sein. Diese Geräusche können durch Reibung der Kniescheibe an den Knochenflächen oder durch eine Spannung der Bänder entstehen.
- Wiederkehrende Luxationen
Bei Menschen, die bereits eine Kniescheibenluxation erlitten haben, ist das Risiko eines erneuten Auftretens erhöht, insbesondere wenn keine ausreichende Behandlung erfolgt oder die Rehabilitation nicht abgeschlossen wurde. Jede weitere Luxation kann zusätzliche Schäden an den Strukturen des Kniegelenks verursachen und zu chronischer Instabilität führen. Das Wiederholungsrisiko nach einer erstmaligen Kniescheibenluxation liegt zwischen 20 und 50 Prozent.
Diagnose einer Kniescheibenluxation
Die Diagnose einer Kniescheibenluxation basiert auf der Krankengeschichte des Patienten, den Befunden der körperlichen Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Orthopädische Fachärzte verfolgen das Ziel, eine genaue Diagnose zu stellen und den am besten geeigneten Behandlungsplan zu entwickeln.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Der Arzt fragt ausführlich nach den Beschwerden, ihrem Beginn, den auslösenden Aktivitäten und danach, ob bereits früher ein ähnliches Problem aufgetreten ist. Während der körperlichen Untersuchung werden folgende Schritte durchgeführt:
- Sichtprüfung: Schwellungen, Blutergüsse oder eine ungewöhnliche Position der Kniescheibe werden beurteilt.
- Palpation: Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Schwellungen rund um die Kniescheibe werden überprüft.
- Beurteilung des Bewegungsumfangs: Der passive und aktive Bewegungsumfang des Kniegelenks wird getestet.
- Stabilitätstests: Der Arzt führt verschiedene Manöver durch, um die Stabilität der Kniescheibe zu beurteilen, beispielsweise einen Patella-Tracking-Test oder den J-Sign-Test. Dabei wird geprüft, ob Schmerzen oder Instabilität auftreten, wenn die Kniescheibe nach außen bewegt wird.
Bildgebende Verfahren
Zur Ergänzung der körperlichen Untersuchung und zur Erkennung zugrunde liegender anatomischer Probleme kommen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz:
- Röntgen: Es ist das erste Verfahren zur Beurteilung der knöchernen Struktur von Patella und Femur, der Tiefe der Rinne und der Position der Kniescheibe. Besonders wichtig ist es, um Frakturen oder knöcherne Auffälligkeiten zu erkennen. Röntgenaufnahmen im Stehen zeigen die Position der Patella unter Belastung besser.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Sie dient der detaillierten Darstellung von Weichteilen wie Bändern, Sehnen, Knorpel und Menisken. Die MRT gilt als Goldstandard zur Diagnose von MPFL-Rissen, Knorpelschäden und Meniskusverletzungen. MRT-Aufnahmen innerhalb der ersten 3 bis 6 Wochen nach einer Kniescheibenluxation sind wichtig, um das Heilungspotenzial der verletzten Bänder zu beurteilen.
- Computertomographie (CT): Sie kann zur genaueren Beurteilung knöcherner Strukturen eingesetzt werden und ist besonders bei komplexen Frakturen oder knöchernen Fehlbildungen hilfreich. Für die Darstellung von Weichteilen ist sie jedoch weniger geeignet als die MRT.
- Ultraschall: In manchen Fällen, insbesondere bei akuten Verletzungen, kann er zur Beurteilung von Sehnen- und Bandrissen eingesetzt werden. Er ist eine schnelle und kostengünstige Methode.
Diese bildgebenden Verfahren helfen dabei, die Ursache der Kniescheibenluxation zu bestimmen, und spielen eine zentrale Rolle bei der Erstellung des Behandlungsplans. Bei einem ausgeprägten MPFL-Riss kann beispielsweise eine operative Behandlung stärker in den Vordergrund rücken.
Behandlung einer Kniescheibenluxation
Die Behandlung einer Kniescheibenluxation richtet sich nach Alter, Aktivitätsniveau, Ursache und Schweregrad der Verlagerung sowie danach, ob sie wiederholt auftritt. Die Therapie beginnt in der Regel mit konservativen, nicht operativen Maßnahmen. Falls erforderlich, werden operative Verfahren eingesetzt. Orthopädische Fachärzte erstellen individuelle Behandlungspläne, um eine möglichst schnelle Rückkehr zur normalen Funktion zu ermöglichen.
Konservative Behandlungsmethoden
Die konservative Behandlung wird meist bei erstmaligen Kniescheibenluxationen und Patienten mit leichten Beschwerden bevorzugt. Dazu gehören:
- Ruhe und Anpassung der Aktivität: Während der Schmerz- und Schwellungsphase sollte das Knie geschont und schmerzauslösende Aktivitäten sollten vermieden werden. Sportarten wie Laufen und Springen, die die Kniescheibe stark belasten, sollten vorübergehend pausiert werden.
- Kälteanwendung: Zur Verringerung von Schwellung und Schmerzen wird mehrmals täglich für 15 bis 20 Minuten ein Eisbeutel auf das Knie gelegt. Kälte wirkt entzündungshemmend und unterstützt den Heilungsprozess.
- Kompression: Leichter Druck durch eine Kniebandage oder einen elastischen Verband kann helfen, die Schwellung zu kontrollieren.
- Hochlagerung: Wird das Knie beim Sitzen oder Liegen über Herzhöhe gelagert, kann der venöse Rückfluss verbessert und die Schwellung reduziert werden.
- Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente: Nach ärztlicher Empfehlung können nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) zur Linderung von Schmerzen und Entzündung eingesetzt werden. Diese Medikamente lindern die Symptome, behandeln jedoch nicht die zugrunde liegende Ursache.
- Physiotherapie und Rehabilitation: Dies ist einer der wichtigsten Bestandteile der Behandlung einer Kniescheibenluxation. Das physiotherapeutische Programm umfasst in der Regel:
Muskelkräftigungsübungen: Die Kräftigung der Quadrizepsmuskulatur, insbesondere des VMO, verbessert die Stabilität der Kniescheibe. Auch die Kräftigung der hinteren Oberschenkel-, Hüft- und Wadenmuskulatur verbessert die allgemeine Beinkraft. Dehnübungen: Verkürzte Muskeln wie das iliotibiale Band und die hintere Oberschenkelmuskulatur werden gedehnt, um ihre Beweglichkeit zu erhöhen. Dadurch können abnorme Zugkräfte auf die Kniescheibe reduziert werden. Gleichgewichts- und Propriozeptionsübungen: Übungen auf einem Balancebrett oder im Einbeinstand verbessern die Wahrnehmung und Kontrolle der Knieposition. Patella-Taping oder Knieorthesen: In manchen Fällen können spezielle Taping-Techniken oder Knieorthesen mit Patellaführung eingesetzt werden, um die Kniescheibe in der richtigen Position zu halten.
Das physiotherapeutische Programm dauert in der Regel 6 bis 12 Wochen und wird an den Heilungsverlauf des Patienten angepasst. Untersuchungen zeigen, dass regelmäßig und korrekt durchgeführte Physiotherapie das Risiko einer erneuten Kniescheibenluxation um bis zu 50 Prozent senken kann.
Operative Behandlungsmethoden
Bei Patienten, die nicht auf die konservative Behandlung ansprechen, wiederkehrende Kniescheibenluxationen haben oder ausgeprägte anatomische Fehlbildungen aufweisen, kann eine operative Behandlung erforderlich sein. Die Operationsmethode richtet sich nach Ursache und Schweregrad der Luxation:
- Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL): Dies ist eines der am häufigsten angewendeten Operationsverfahren. Das gerissene oder erschlaffte MPFL wird mithilfe eines Sehnentransplantats aus einer anderen Körperregion, meist aus einer Hamstringsehne, rekonstruiert. Diese Operation verhindert wirksam das seitliche Verrutschen der Kniescheibe. Erfolgsraten von etwa 85 bis 90 Prozent wurden berichtet.
- Laterales Retinakulum-Release: Dabei wird das gespannte Bindegewebe an der Außenseite der Kniescheibe gelockert. Dadurch wird der nach außen gerichtete Zug auf die Patella reduziert. Das Verfahren kann allein oder zusammen mit einer MPFL-Rekonstruktion durchgeführt werden.
- Resektion der medialen Plica: Dabei wird ein ungewöhnliches Gewebeband im Kniegelenk entfernt. In manchen Fällen kann die Plica die Bewegung der Kniescheibe behindern und Schmerzen verursachen.
- Trochleoplastik: Dabei wird eine zu flache Trochlearinne vertieft. Dies ermöglicht der Kniescheibe ein stabileres Gleiten innerhalb der Rinne. Es handelt sich um ein komplexeres Operationsverfahren, das meist zusammen mit anderen Methoden oder bei wiederkehrenden Luxationen in Betracht gezogen wird.
- Sehnentransfers: In bestimmten Fällen können Operationen durchgeführt werden, bei denen die Position der Quadrizepssehne oder der Patellarsehne verändert wird, um die Stellung der Kniescheibe zu korrigieren oder ihre Stabilität zu erhöhen.
Die Heilungsphase nach einer Operation dauert meist mehrere Monate und erfordert ein umfassendes physiotherapeutisches Programm. Der Schutz des Knies und die Einhaltung der ärztlichen Anweisungen sind für ein erfolgreiches Ergebnis von entscheidender Bedeutung.
Rehabilitation und Heilung nach einer Kniescheibenluxation
Die Behandlung einer Kniescheibenluxation erfordert unabhängig davon, ob sie konservativ oder operativ erfolgt, ein umfassendes Rehabilitationsprogramm. Ziel der Rehabilitation ist es, die Kniefunktion wiederherzustellen, Schmerzen zu reduzieren, Muskelkraft und Gleichgewicht zu verbessern und das Wiederholungsrisiko zu minimieren.
Frühphase der Rehabilitation (erste 1 bis 6 Wochen)
In dieser Phase stehen der Schutz des Knies und der Beginn der Heilung im Vordergrund. Bei konservativ behandelten Patienten werden Maßnahmen zur Verringerung von Schmerzen und Schwellung durchgeführt. Bei operierten Patienten kommen je nach Art des Eingriffs spezielle Protokolle zur Anwendung.
- Kontrolle von Schmerzen und Schwellung: Ruhe, Kälteanwendung, Kompression und Hochlagerung werden eingesetzt.
- Sanfte Bewegungsübungen: Unter Kontrolle des Arztes oder Physiotherapeuten werden vorsichtige Übungen zum Erhalt des Bewegungsumfangs begonnen, um eine Versteifung des Kniegelenks zu verhindern.
- Isometrische Muskelübungen: Um die Muskulatur zu aktivieren, ohne das Gelenk stark zu bewegen, werden isometrische Übungen durchgeführt. Besonders wichtig sind diese Übungen für Quadrizeps und hintere Oberschenkelmuskulatur.
- Gehhilfen: Falls erforderlich, werden Hilfsmittel wie Krücken eingesetzt.
Mittlere Phase der Rehabilitation (6 Wochen bis 3 Monate)
In dieser Phase liegt der Schwerpunkt auf dem Aufbau von Muskelkraft und Ausdauer. Gleichzeitig wird versucht, den vollständigen Bewegungsumfang wiederzuerlangen.
- Belastungsübungen: Das Kniegelenk wird schrittweise und kontrolliert belastet.
- Muskelkräftigungsübungen: Es werden intensivere Übungen für den Quadrizeps, insbesondere den VMO, die hintere Oberschenkelmuskulatur sowie die Hüft- und Wadenmuskulatur durchgeführt. Widerstandsbänder oder leichte Gewichte können verwendet werden.
- Gleichgewichts- und Propriozeptionsübungen: Durch Einbeinstand oder Übungen auf einem Balancebrett werden Wahrnehmung und Kontrolle der Knieposition verbessert.
- Komplexere Bewegungen: Funktionelle Bewegungen wie Treppensteigen und Gehen auf leicht geneigten Flächen werden begonnen.
Spätphase der Rehabilitation (ab 3 Monaten)
Diese Phase zielt darauf ab, den Patienten sicher in den Sport oder das Berufsleben zurückzuführen. Es erfolgt eine Vorbereitung auf Aktivitäten, die ein hohes Maß an Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Kontrolle erfordern.
- Sportspezifisches Training: Sportartspezifische Bewegungen wie Laufen, Springen und abrupte Richtungswechsel werden kontrolliert begonnen.
- Plyometrische Übungen: Sprungübungen mit explosiver Kraftentwicklung, beispielsweise Box Jumps oder Lunge Jumps, werden in das Programm aufgenommen.
- Beweglichkeits- und Koordinationsübungen: Treppenläufe, Kegelübungen und andere Trainingsformen zur Verbesserung von Beweglichkeit und Koordination werden durchgeführt.
- Steigerung von Kraft und Ausdauer: Durch Krafttraining werden Muskelkraft und Ausdauer weiter verbessert.
Während des gesamten Rehabilitationsprozesses ist es wichtig, dass der Patient seine Schmerzen sorgfältig beobachtet und den Physiotherapeuten bei einer Zunahme informiert. Die vollständige Genesung kann 6 Monate bis 1 Jahr dauern. Laut einer Untersuchung der Amerikanischen Gesellschaft für Physiotherapie können mehr als 90 Prozent der Patienten, die ein geeignetes Rehabilitationsprogramm abschließen, schmerzfrei zu ihren normalen Aktivitäten zurückkehren.
Möglichkeiten zur Vorbeugung einer Kniescheibenluxation
Maßnahmen zur Verringerung des Risikos einer Kniescheibenluxation sind sowohl für Sportler als auch für die Allgemeinbevölkerung wichtig. Sie konzentrieren sich meist auf die Erhaltung des muskulären Gleichgewichts, die Anwendung korrekter Trainingstechniken und das Wahrnehmen der Körpersignale.
- Regelmäßige Bewegung und Muskelkräftigung
Die regelmäßige Kräftigung des Quadrizeps, insbesondere des VMO, der hinteren Oberschenkelmuskulatur sowie der Hüft- und Wadenmuskeln verbessert die Stabilität der Kniescheibe. Grundübungen wie Plank, Kniebeugen und Ausfallschritte trainieren diese Muskelgruppen. Die Korrektur muskulärer Dysbalancen sorgt dafür, dass die Patella stabiler in der Rinne bleibt.
- Beweglichkeits- und Dehnübungen
Regelmäßiges Dehnen verkürzter Strukturen wie des iliotibialen Bandes, der hinteren Oberschenkelmuskulatur und des Quadrizeps reduziert abnorme Zugkräfte auf die Kniescheibe. Besonders Menschen, die lange sitzen oder regelmäßig laufen, sollten auf Dehnübungen achten.
- Richtige Trainingstechniken
Die korrekte Form und Technik beim Sport oder Training reduziert die Belastung des Kniegelenks. Eine plötzliche Steigerung der Trainingsintensität sollte vermieden werden. Ausreichendes Aufwärmen und Abkühlen sind ebenfalls wichtig. Bei Aktivitäten wie Laufen und Springen sollte auf eine kontrollierte Landetechnik geachtet werden, indem die Knie leicht gebeugt und weich aufgesetzt werden.
- Geeignetes Schuhwerk
Sportschuhe mit ausreichender Dämpfung und Unterstützung der Fußbiomechanik können die Belastung des Kniegelenks reduzieren. Besonders bei Lauf- und Sprungsportarten sollte auf geeignetes Schuhwerk geachtet werden.
- Auf den Körper hören und Überlastung vermeiden
Bei beginnenden Knieschmerzen oder Beschwerden sollte die Aktivität beendet und eine Pause eingelegt werden. Weiteres Training trotz Schmerzen kann das bestehende Problem verschlimmern und chronisch werden lassen. Die Vermeidung einer übermäßigen Trainingsbelastung gibt dem Körper Zeit zur Erholung.
- Gewichtskontrolle
Übergewicht erhöht die Belastung der Kniegelenke erheblich. Die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts kann dazu beitragen, das Risiko einer Kniescheibenluxation und anderer Knieprobleme zu verringern.
- Knieorthesen und Bandagen
Beim Sport oder bei risikoreichen Aktivitäten können spezielle Knieorthesen oder Taping-Techniken eingesetzt werden, die die Kniescheibe stützen. Diese Hilfsmittel können dazu beitragen, die Patella stabiler zu halten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Kniescheibenluxation und wie entsteht sie?
Welche Symptome treten bei einer Kniescheibenluxation auf?
Bei wem tritt eine Kniescheibenluxation häufiger auf?
Warum kann eine Kniescheibenluxation beim Sport entstehen?
Wie wird eine Kniescheibenluxation diagnostiziert?
Kann sich eine Kniescheibenluxation von selbst zurückbilden?
Wie wird eine Kniescheibenluxation behandelt?
Kann nach einer Kniescheibenluxation eine Operation erforderlich sein?
Kann eine Kniescheibenluxation erneut auftreten?
Worauf sollte nach einer Kniescheibenluxation geachtet werden?

Prof. Dr. Murat Demirel, 1974 yılında Ankara’da doğmuş, 1998 yılında Ankara Üniversitesi Tıp Fakültesi’nden mezun olmuştur. Aynı yıl Ankara Numune Eğitim ve Araştırma Hastanesi 1. Ortopedi ve Travmatoloji Kliniği’nde uzmanlık eğitimine başlamış ve 2004 yılında Ortopedi ve Travmatoloji Uzmanı unvanını almıştır. Uzmanlık sonrası dönemde kas-iskelet sistemi hastalıklarının cerrahi ve konservatif tedavilerine odaklanmış, yenilikçi ortopedik yaklaşımları klinik pratiğine entegre etmiştir.
Omuz, diz, kalça ve ayak bileği eklemlerine yönelik ileri düzey cerrahi uygulamalarda uzmanlaşan Prof. Dr. Demirel; omuz artroskopisi, diz protezi, robotik cerrahi, kök hücre tedavisi ve PRP uygulamaları konularında deneyim sahibidir. Güncel ortopedi pratiğinde fonksiyonel sonuçları artıran minimal invaziv ve biyolojik tedavi yöntemlerini önceliklendirmektedir.
Halen Ankara’daki özel kliniğinde ortopedi ve travmatoloji alanında hasta kabul eden Prof. Dr. Murat Demirel, ileri görüntüleme teknolojileri ve multidisipliner yaklaşımla kişiye özel tedavi planları oluşturmaktadır. Cerrahi ve rejeneratif ortopediyi birleştiren vizyoner yaklaşımıyla, hareket sistemi hastalıklarının tedavisinde yaşam kalitesini merkeze alan modern çözümler sunmaktadır.

